Drama

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ im Kino

Glenn Close blieb trotz sechs Nominierungen bisher ohne Oscar. Vielleicht klappt es diesmal – wenn sie bravourös eine Ehefrau spielt, die so lange ihre Gefühle unterdrückt, bis es physisch nicht mehr möglich ist, die Emotionen zurückzuhalten

Square One Entertainment

Der Film startet wie ein Märchen, als ein ­betagter US-Literat morgens den Anruf der schwedischen Akademie erhält, die ihm den Nobelpreis verleihen möchte. Die Freude ist groß, Joe (Jonathan Pryce) springt mit Ehefrau Joan (Glenn Close) im Nachtgewand auf dem Bett wie ein kleines Kind. Doch auf der Reise nach Stockholm zeigen sich erste Risse im Märchen. Joes Alterswerk wird als schwach im Vergleich zu den frühen Romanen rezipiert, er weigert sich, seinem schriftstellernden Sohn Anerkennung zu zeigen, und seine ­Affären mit anderen Frauen werden von Joan verdrängt. Zudem will ein nerviger Journalist (Christian Slater) Joes Biografie schreiben und setzt dafür der Familie zu.

Regisseur Björn Runge seziert diese Ehe gnadenlos, die es sich in Kompromissen und Sprachhülsen eingerichtet hat, zeigt in Rückblenden, wie es dazu kommen konnte und setzt auf den Paukenschlag, als Joe in seiner Dankesrede Joan als die Muse seines Lebens feiert. In einem eleganten Finale lässt Glenn Close die unterdrückten Gefühle der Joan endlich raus, wobei die subtile Darstellung nicht mit Milde zu verwechseln ist. Es ist ein Spiel für unsere Tage, in der Frauen erkennen, dass die Zeit, in der sie schweigen sollen, mitgemeint und unterbezahlt sein müssen, endlich an ihr Ende kommt.

Die Frau des Nobelpreisträgers USA/S 2018, 100 Min., R: Björn Runge, D: Glenn Close, Jonathan Pryce, Max Irons, Christian Slater, Start: 3.1.

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