Neo-Western

„Die Frau, die vorausgeht“ im Kino

Gegen die Herrschaft der weißen Männer: Die Frau, die vorausgeht, trifft Sitting Bull

Der berühmte Lakota-Häuptling Sitting Bull starb 1890 wenige Jahre vor der Erfindung des Kinos. Es gibt nur ein paar Fotografien von ihm. Nun erzählt die britische Regisseurin Susanna White eine Geschichte von einem gemalten Porträt von Sitting Bull. „Die Frau, die vorausgeht“ („Woman Walks Ahead“) heißt Catherine Weldon. Sie verlässt ihre Heimatstadt New York und fährt allein in eine Gegend, die damals noch außerhalb der staatlichen Kontrolle liegt. Sitting Bull ist die charismatische Integrationsfigur der Ureinwohner, allerdings ist in den 1880er-Jahren schon klar, dass die Hoffnungen auf ein freies Leben in unerschlossener Natur vergeblich sein werden. Weldon (Jessica Chastain) begibt sich trotz des Verbots durch die US-Armee zu den Lakota und schafft es tatsächlich, Sitting Bull zu Porträtsitzungen zu überreden.

Foto:_Tobis Film Richard Foreman

Im Drehbuch von Steven Knight steckt ein Sinnbild: Die Malerei als bürgerliches Repräsentationsgenre ist selbst eine aussterbende Gattung. Catherine Weldon steht mit ihrem Starrsinn für eine Trauerarbeit, die schon beginnt, bevor der Genozid an den Indianern 1890 mit einem letzten Massaker und mit der Erschießung von Sitting Bull endete. „Die Frau, die vorausgeht“ ist, wie jeder Western, geprägt von den Anliegen der Gegenwart: Politische Korrektheit ist das Maß dieser Erzählung. Catherine Weldon steht als Frau allein gegen die Herrschaft der weißen Männer und findet im Häuptling ein nobles Gegenüber. Michael Greyeyes spielt Sitting Bull als Projektionsfläche für eine romantische Erotik. Die Klischees vom „edlen Wilden“ werden in „Die Frau, die vorausgeht“ noch einmal durchgearbeitet – und letztlich melancholisch bekräftigt. 

Woman Walks Ahead (OT), USA 2017, 102 Min., R: Susanna White, D: Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell, Start: 5.7.

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