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„Die Frau in Schwarz“ im Kino

Die Frau in Schwarz

Drei Mädchen, die plötzlich wie in Trance vom Spielen aufstehen, in Zeitlupe zum Fenster gehen und sich in die Tiefe stürzen. Mit dieser Szene beginnt „Die Frau in Schwarz“ und setzt die Stimmung eines verhaltenen, poetischen Schreckens. Es werden nicht die einzigen toten Kinder in diesem Dorf bleiben. Und jedes Mal taucht kurz zuvor eine Frau in Schwarz auf. Für die Bewohner ist es klar: Dies ist der Geist von Jennet Humfrye, die aus dem Jenseits Rache nehmen will für den Unfalltod ihres Sohnes, den sie ihnen anlastet.
Anfang des 20. Jahrhunderts kommt der Londoner Anwalt Arthur Kipps in den Ort, um den Haushalt einer jüngst verstorbenen Witwe aufzulösen, die in jenem Haus wohnte, in dem einst auch Mrs. Humfrye lebte. Knarzende Dielen und andere unheimliche Geräusche prägen die Stimmung des einsam gelegenen Hauses, in dem eine Kollektion von mechanischem Spielzeug zum Leben zu erwachen scheint.
Der Auftakt der Geschichte mit der Reise des Protagonisten in ein weit entlegenes Terrain, in dem ihm die lokale Bevölkerung feindselig begegnet, sobald sie erfährt, wen er hier besuchen will, erinnert an Bram Stokers Roman „Dracula“. Das ist so falsch nicht, denn „Die Frau in Schwarz“ ist eine Produktion des wiederbelebten britischen Hammer-Studios, das ab 1957 mit seinen Horrorfilmen dem Genre frisches Blut zuführte. Zeitgenössisch mit Gewalt und Sex angereichert, schufen sie gleichwohl ein viktorianisches Universum, an das James Watkins hier anknüpft, und damit einen Schrecken der anderen Art heraufbeschwört als in seinem splatterorientierten Regiedebüt „Eden Lake“.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman der britischen Autorin Susan Hill hat der Film etwas angenehm Altmodisches. Das kann er sich auch deshalb leisten, weil er für die Hauptrolle den als Titelhelden der Harry- Potter-Filmreihe bekannt gewordenen Daniel Radcliffe gewinnen konnte, der hier seine erste Nach-„Potter“-Figur verkörpert. Er tut das auf eine zurückhaltende Weise, als wisse er, dass der eigentliche Star des Films das unheimliche Haus ist. Als Vater eines vierjährigen Sohnes, dessen Mutter bei der Geburt starb, hat Arthur Kipps seine eigene Last zu tragen. Das nutzt der Film für einen – vom Roman abweichenden – ebenso eindringlichen wie konsequenten Schluss.

Text: Frank Arnold

Foto: 2011 Concorde Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Frau in Schwarz“ im Kino in Berlin

Die Frau in Schwarz (The Woman in Black), Großbritannien/Kanada 2012; Regie: James Watkins; Darsteller: Daniel Radcliffe (Arthur Kipps), Ciarбn Hinds (Mr. Daily), Janet McTeer (Mrs. Daily); 95 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 29. März 

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