Kino & Stream

Die Geschichte eines Amoklaufs im Kino: „Klass“

Amoklauf in der Schule – die Massaker häufen sich weltweit. Wie es auf einer ganz normalen Schule dazu kommen konnte, davon erzählt „Klass„, ein auf Tatsachen beruhender Spielfilm aus Estland. Regisseur Ilmar Raag rekonstruiert fast schon dokumentarisch die letzten Tage vor der blutigen Eskalation: Eine Schulklasse hat sich mit Mobbing und Schlägen auf den introvertierten Joosep eingeschossen. Bis es einem reicht: Für Kaspar wird es zu einer Frage der Ehre, Joosep zu helfen. Dadurch wird auch er zum Opfer, und beide durchleiden unerträgliche Demütigungen. Rache als Finale.
„Klass“ ist ein beklemmender Film, der einmal mehr die Unfähigkeit von Eltern und Lehrern geißelt; die Schule wird zur Arena von Aggression und Sadismus. Doch „Klass“ erzählt auch von gestörter Kommunikation und von Jugendlichen, die kein Gespür mehr für Fairness kennen. Erstaunlich, wie selbstverständlich sich hier die Jugendlichen einem Alpha-Männchen unterordnen. Sti­listisch nutzt Raag Elemente aus Musikvideos und spielt mit unterschiedlichen Tempi; sie können allerdings das Grauen vor dem Unerklärlichen nicht mildern.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Klass“ im Kino in Berlin

Klass, Estland 2007; Regie: Ilmar Raag; Darsteller: Vallo Kirs (Kaspar), Pärt Uusberg (Joosep), Lauri Pedaja (Anders); Farbe, 102 Minuten

Kinostart: 15. Oktober

Mehr über Cookies erfahren