Kino & Stream

Die Geschichte hinter dem Film

„Music Box“ war ein Film ganz nach dem Geschmack der Berlinale unter Festivalchef Moritz de Hadeln: politisch engagiertes Mainstream-Kino mit Starbesetzung. Als die Jury des Jahrgangs 1990 unter dem Kameramann Michael Ballhaus den Goldenen Bären an Costa-Gavras verlieh, war die Geschichte von „Music Box“ noch lange nicht zu Ende – und ist es bis heute noch immer nicht.
Der Stoff ist angelehnt an den Fall John Demjanjuks, der jahrelang als Automechaniker in den USA arbeitete, bis er in den 80er Jahren als „Iwan der Schreckliche“, ein berüchtigter Aufseher des Vernichtungslagers Treblinka, identifiziert und in Israel zum Tode verurteilt wurde. Aus Mangel an Beweisen wurde das Urteil vom Obersten Gerichtshof in eine siebenjährige Ge­fäng­nisstrafe umgewandelt. Danach lebte Demjanjuk wieder in den USA, wo er 2001 erneut angeklagt wurde. Seine Abschiebung in die Ukraine wurde angeordnet; seit Mai 2008 ist sie endgültig rechtskräftig. Auch deutsche Gerichte beschäftigen sich inzwischen mit dem Fall.
Das Festival der Bären hat Costa-Gavras die Treue gehalten: Immer wieder war er mit Filmen im Wettbewerb, zuletzt 2002 mit der Hochhuth-Verfilmung „Amen“ in Berlin, 2008 kam er als Jurypräsident. Mit „Tropa de Elite“ bekam in diesem Jahr wieder ein dezidiert politischer Film den Hauptpreis.

Text: sdh

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