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Die Geschichte hinter dem Film

Jasmila_ZbanicAls Jasmila Zbanic 2006 den Hauptpreis des Fes­tivals von Jury-Präsidentin Charlotte Rampling und Berlinale-Chef Dieter Kosslick überreicht bekam, nutzte die damals 31-jährige Regisseurin die Preisverleihung für ein vehementes Plädoyer: „Ich möchte uns alle daran erinnern, dass der Krieg in Bosnien vor etwa 13 Jahren zu Ende ging und die Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic noch immer frei in Europa leben. Sie sind nicht verhaftet, obwohl sie verantwortlich für die Organisierung der Vergewaltigung von 20.000 Frauen in Bosnien, die Ermordung von 100.000 und die Vertreibung von einer Million aus ihren Häusern sind. Das ist Europa, und niemand hat Interesse daran, sie zu fangen. Ich hoffe der Film ändert ihren Blick auf Bosnien. Ich hoffe, der Bär ist nicht enttäuscht, wenn er Bosnien sieht.“

Radikale Serben nahmen die kurze Rede zum weiteren Anlass für die Hetze gegen den Film und die Regisseurin. Die Popularität, die ihr der Goldene Bär verschaffte, nutzte Zbanic freilich für eine Kampagne, die einen ganz anderen Adressaten hatte. Ihre Klage da­rüber, dass die vergewaltigten Frauen nicht offiziell als Kriegsopfer anerkannt waren, setzte das bosnische Parlament noch im Sommer 2006 unter den nötigen Druck, um endlich den entsprechenden Gesetzentwurf zu verabschieden.


Text:
Robert Weixlbaumer

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