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„Die Gräfin“ mit Julie Delpy im Kino

Die Serienmörderin war angeblich für den Tod von mehr als 150 Mädchen verantwortlich und gilt als die weibliche Variante von Dracula. Dementsprechend oft war die Bathуry Vorbild für blutrüns­tige Monsterdamen im Horrorfilm. Delpy stellt die Gräfin, die sie hier selbst spielt, als die mächtigs­te Frau im Land vor. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lernt sie bei einem Fest den viel jüngeren Istvan (Daniel Brühl) kennen, die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander. Als Istvans intriganter Vater Graf Thurzo (William Hurt) dem Sohn den Umgang mit der Gräfin verbietet, verfällt die daraufhin, getrieben von Enttäuschung und Sehnsucht nach Istvan, dem Wahn, im Blut jungfräulicher Mädchen zu baden, um wie­der jugendliche Schönheit zu erlangen.
Auf der Pressekonferenz der diesjährigen Berlinale präsentierte sich Julie Delpy äußerst sympathisch und durchaus selbstkritisch, gab beispielsweise zu, bei den Dreharbeiten mit ihrer Doppelrolle als Hauptdarstellerin und Regisseurin überfordert gewesen zu sein. Und tatsächlich wirken alle ihre Protagonisten etwas verloren. Oft wirkt der Film unbeholfen, wie eine üppig ausgestattete und zu gut besetzte Seifenoper und nicht wie der kluge kleine Horrorfilm mit deutlich feministischem Ansatz, den man erhoffen wollte.
Zwar finden sich ihrem Film Reflexionen zur Rolle der Frau und zum aktuellen Jugendwahn, doch Delpy fehlt der Mut zur Exploitation, zur großen Geste und zu drastischeren Übertreibungen. „Die Gräfin“ will bestimmt kein derber Horrorfilm sein, aber Genrefans werden sich naturgemäß von dem Stoff angesprochen fühlen und Delpy gnadenlos an Darstellerinnen wie Ingrid Pitt aus der 1970 entstandenen Hammer-Produktion „Comtesse des Grauens“ messen. Die Französin wirkt da­ne­ben in ihrem harmlosen Werk wie eine schüchterne, graue Maus.

Text: Jörg Buttgereit

Orte und Zeiten: „Die Gräfin“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Zwiespältig

Die Gräfin (The Countess), Frankreich/Deutschland 2009; Regie: Julie Delpy; Darsteller: Julie Delpy (Erzsйbet Bбthory), Daniel Brühl (Istvan Thurzo), William Hurt (Gyorgy Thurzo); Farbe, 98 Minuten

Kinostart: 25. Juni

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