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Die herausragende Dokumentation „LOS“ im Kino

James Bennings Filme besetzen eine der aufregendsten Positionen des dokumentarischen und politischen Kinos unserer Zeit. Jeder seiner Filme handelt von Orten. So auch „LOS„, der zweite Teil der zwischen 2000 und 2001 entstandenen „California Trilogy„, der ein Mosaik des Großraums Los Angeles jenseits touristischer Schauwerte zeigt.
„LOS“ ist kein Stadtfilm im herkömmlichen Sinne. Der Film besteht aus 35 jeweils zweieinhalb Minuten langen starren und präzis kadrierten Einstellungen. Dicht gedrängte Kühe kurz vor der Schlachtung; Besucher, die ein Gefängnis verlassen; ein Contai­ner­schiff, das den Bildraum passiert; Kinder, die auf den Schulbus warten; ein Trupp Polizisten am Rand einer Demonstration; ein Boulevard mit morgendlichen Joggern – Bennings Film vermeidet, ein „Zentrum“ der Stadt im herkömmlichen Sinn auszumachen. Sowohl dramaturgisch als auch topografisch zeigt „LOS“ stattdessen ein städtisches Konglomerat, dessen Verkehrsformen der Film präzise zu markieren weiß. Dabei erzeugt jedes Bild sowohl den Eindruck von schmuckloser Un­mit­telbarkeit als auch den einer politisch bedachten Auswahl und Konzentration.

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „LOS“ im Kino in Berlin

LOS, USA 2000; Regie: James Benning; Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 8. Oktober

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