Kommentar

„Die Kamera als Füllfeder“ von Bert Rebhandl

Dass Bob Dylan in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur ­bekommt, das halte ich für eine gute Nachricht.

Bert Rebhandl

Denn es bedeutet in letzter Konsequenz, dass wir Filmkritiker an diesem einen Tag im Jahr, an dem der Kulturbetrieb nach Norden schaut, nicht mehr ganz so unbeteiligt bleiben ­müssen.
Wenn ein fahrender Sänger mit seinen Lyrics für den Preis in ­Frage kommt (und literatur­theoretisch ist das absolut in ­Ordnung), dann kann es demnächst ja auch ohne Weiteres ­einen Filmemacher erwischen, einen Autorenfilmer natürlich, also einen, der seine Kamera mit der Füllfeder steuert, wie es in einem berühmten französischen Vergleich hieß.
Eine Jury-Begründung hätte ich spontan schon fast im Ohr: an Lars von Trier – „für seine kühnen Umdeutungen der abendländischen Mythologie“. Oder vielleicht an Paul Schrader, der den Anruf aus Stockholm vermutlich mit einer seiner unsterblichen Formulierungen quittieren würde: „Are you talking to me?“ 2030 ­wären wir dann so weit, dass der Nobelpreis für Literatur an einen „Writer’s Room“ gehen könnte. Mal sehen, in welcher Serie Vince „Breaking Bad“ Gilligan dann ­gerade steckt.

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