Familiendrama

„Die kanadische Reise“ im Kino

Ein Mann sucht seine Familie

Sébastien Raymond/ Item7/ Fin Août

Kein Film für ungeduldige Menschen ist dieses sanfte Familiendrama des französischen Regisseurs Philippe Lioret („Die Frau des Leuchtturmwärters“). Beharrlich und zusehends intensiver entspinnt sich die gut geschriebene und effektiv inszenierte Geschichte um ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.

Katalysator der Ereignisse ist der 33-jährige Pariser Angestellte Mathieu (Pierre Deladonchamps), der eines Tages aus Kanada die Nachricht bekommt, dass sein ihm bislang unbekannter Vater Jean seit einem Angelausflug vermisst wird. Zuvor aber habe er seinem Freund Pierre (Gabriel Arcand) noch ein Paket gegeben, das dieser nun an Mathieu schicken wolle. Stattdessen beschließt Mathieu, selbst nach Kanada zu reisen – auch, weil er Jeans Söhne kennenlernen will, die von seiner Existenz noch nichts wissen. In Montreal angekommen, insistiert Pierre jedoch nachdrücklich, dass Mathieu seine Identität weiterhin geheim hält.

Viel Zeit nimmt sich Lioret für die Charakterisierung der Figuren, für die Unterschiede und Parallelen in ihrem Leben. Nach und nach enthüllt sich schließlich das wahre Familiengeheimnis, das mit Geschenken wie einem Gemälde und einem Stethoskop zusammenhängt, aber auch mit der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und einem entstehenden Band der Sympathie. Vieles bleibt am Ende auch unausgesprochen, dafür sind die Blicke sehr beredt und wissend, die die Protagonisten sich auf der abschließenden Fahrt zum Flughafen über die verschiedenen Spiegel im Auto zuwerfen.

Le fils de Jean (OT) F 2016, 93 Min., R: Philippe Lioret, D: Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Catherine de Léan, Start: 14.12.

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