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„Die Karte meiner Träume“ im Kino

Die Karte meiner Träume

Wer den Heiligen Gral der Naturwissenschaft gefunden hat, darf sich getrost „Leonardo von Montana“ nennen. Sein gelehrsamer Spieltrieb hat T. S. Spivet (Kyle Catlett) ein Perpetuum mobile erfinden lassen, eine Maschine in immerwährender Bewegung. Dem Smithsonian Institute, das ihm für diesen Durchbruch einen Preis verleihen will, verschweigt er, dass er erst zehn Jahre alt ist. Auch seiner Familie erzählt er nichts, sondern macht sich als blinder Passagier in Güterzügen auf den Weg nach Washington.
Jean-Pierre Jeunets Filme sind Triumphe unbeirrter Egozentrik: Seine erzählerischen Universen fügen sich den Wünschen und Vorstellungen versponnener Außenseiter – wie sonst hätten T. S.’ Eltern, ein schweigsamer Cowboy und eine Insektenforscherin, je zusammenfinden können? Diese magische Weltsicht findet nun eine schöne Resonanz im Relief des 3D. Der verspielte Enzyklopädist setzt das Format auf staunenswerte Weise ein: Bei ihm schnellen nicht nur Lassos dem Zuschauer entgegen, selbst Grashalme und Staub gewinnen bei ihm exotische Alltäglichkeit.

Text: Gerhard Midding

Foto: Jan Thijs / DCM

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Karte meiner Träume“ im Kino in Berlin

Die Karte meiner Träume (L’extravagant voyage du jeune et ?prodigieux T. S. Spivet), Frankreich/Kanada 2013; Regie: Jean-Pierre Jeunet; Darsteller: Helena Bonham Carter (Dr. Clair), Judy Davis (Jibsen), Callum Keith Rennie (Vater); 105 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: Do 10.07.14

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Jean-Pierre Jeunet

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