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Die Komödie „Die nackte Wahrheit“ im Kino

So lotete er in „Natürlich blond“ (2001) mit Reese Witherspoon bereits alle Untiefen des Blondinenwitzes aus und nimmt sich in „Die nackte Wahrheit“ nun der simpel gestrickten Geschlechterrollen der romantischen Komödie an. Denn die erfolgreiche Fernsehproduzentin Ab­by (Katherine Heigl) glaubt tatsächlich noch an den Traummann, der entsprechende Normen erfüllen muss: Einfühlsam und aufrichtig soll er sein, einen guten Beruf haben und klassische Musik lieben. Mike (Gerard Butler) hingegen hat sich als TV-Kommentator einen Namen gemacht, indem er locker und unverblümt die vermeintlich hässliche Wahrheit ausspricht: dass Männer nämlich vor allem mit dem Schwanz denken.
Kenner der romantischen Komödie wird kaum überraschen, wer sich nach allerlei Umwegen am Ende als Paar zusammenfindet. Das funktioniert nicht besser oder schlechter als in anderen ähnlichen Hollywood-Komödien auch. Das Kapital, mit dem der Film wuchern kann, sind seine beiden sympathischen Hauptdarsteller – die al­lerdings auch nicht verhindern können, dass die Luft aus dem dünnen Plot nach 60 Minuten ziemlich heraus ist.
Interessant ist der Film vor allem durch seinen verbalen Umgang mit Sexualität: Die – theoretische – Sex- und Flirtnachhilfe, welche die gehemmte Abby von Mike erhält, kommt für das Genre (und das prüde Amerika generell) doch überraschend unverblümt daher und scheint sich an den Filmen Judd Apatows zu orientieren, in dessen Schwangerschaftskomödie „Beim ersten Mal“ (2007) Katherine Heigl ja ebenfalls die Hauptrolle spielte.
Nicht zu verwechseln ist diese Unverblümtheit mit der genauer betrachtet ebenfalls reichlich verklemmten Zotenhaftigkeit spätpubertärer Teeniekomödien. Die mediale Gleichung Zote = Quote wird in „Die nackte Wahrheit“ nämlich ebenfalls reflektiert: Dass sich die verschiedenen Fernsehsender um einen Kommentar von Mike geradezu reißen, hat natürlich mit dem Erfolg seiner schnodderigen Chauvinismen beim Publikum zu tun – während es Abby und ihre Mitarbeiter(innen) angesichts dieser geballten Ladung schlechten Geschmacks doch eher schaudert. Gar nicht so unintelligent.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Die nackte Wahrheit“ im Kino in Berlin

Die nackte Wahrheit (The Ugly Truth), USA 2009; Regie: Robert Luketic; Darsteller: Katherine Heigl (Abby Richter), Gerard Butler (Mike Alexander), Bree Turner (Joy); Farbe, 96 Minuten

Kinostart: 1. Oktober

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