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Die Kritik: „Shahada“ im Wettbewerb der Berlinale

„Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet: das ist die Shahada“. Den kleinen erläuternden Satz gibt ein Imam einem jungen Deutschen auf dem Weg, der zur Schnupperstunde in die Moschee gekommen ist. Er tut es mit gebotener Geduld. Das Wissen über den Islam ist auch in einer Stadt wie Berlin nicht groß und wenn sich ein junger Mann dafür interessiert, sind die Motive erst einmal nicht wichtig.
„Shahada“, das Regiedebüt des afghanisch-deutschen Regisseurs Burhan Qurbani läuft im Wettbewerb der Berlinale, in dem kleinen Schwerpunkt, den die Berlinale dort mit Geschichten aus und über das Leben von Muslimen gebildet hat. Das wuchtige, tragikomische Toleranzplädoyer von „My Name is Khan“ eröffnete diesen Reigen und gewann das Publikum mit seinen maßlosen Gesten, morgen folgt Jasmila Zbanics bosnischer Beitrag „Na Putu“.
„Shahada“ geht nur ein paar Kilometer weg vom Potsdamer Platz, sucht in der Gegenwart von Berlin die Reibepunkte von Religion und Alltag: Drei Eposoden aus dem Ramadan, die ihre Helden in ihrem Verhältnis zum Glauben zeigen, den sie verlieren, gewinnen, festhalten wollen: Wie Maryam, die Tochter des liberalen Imams, die nach ihrer heimlichen Abtreibung, verängstigt und dauernd blutend, ihre Schuldgefühle in religiöses Eiferertum verwandelt. Wie Samir, der im Großmarkt jobbt und vor seinem Coming-Out steht, das ihm mit dem Islam (oder den Ansichten der Mutter: „Das ist Haram!“) unvereinbar scheint. Wie Ismail, der Polizist, der bei einem Einsatz das ungeborene Kind einer schwangeren Frau getötet hat und danach ein Verhältnis mit dieser beginnt, das so unplausibel ausgedacht ist, wie viele Zuspitzungen der einzelnen Geschichten. „Shahada“ verknüpft die Episoden lose, aber die Offenheit ist nur auf den ersten Blick da: Zumal die Dramen der beiden Männer so aufgeladen sind, so festgezurrt, so übertrieben, dass sie sich selbst und bald auch gegenseitig den Atem nehmen. Als Platzhalter eines Ideendramas können sich die Figuren nicht so behutsam oder plausibel entwickeln, wie sie das verdienten. Sie sind bald nur noch Setzungen, die der Lebendigkeit der Welt, die sie abbilden wollen, nicht gerecht werden können – auch wenn sie das Problem manchmal selbst zu durchschauen scheinen. „Du redest wie ein alter Mann“, sagt der Vater zu seiner Tochter, die ihm ihre nicht selbst gelebten, nicht selbst erfahrenen Glaubenssätze entgegen halten will.

Text: Robert Weixlbaumer

Shahada (Wettbewerb)
18.2., 9.30, Friedrichstadtpalast
18.2., 20.00, Urania
21.2., 22.30, International

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