Kino & Stream

Die Kurbel in Charlottenburg

kurbelWenn Tom Zielinski über die Kurbel erzählt, sprudelt es nur so aus ihm heraus: „Seit 1934 gibt es das Filmtheater am Meyerinckplatz. Es wurde als eine der letzten Bauvorhaben vor dem Krieg gebaut“, erzählt er. „Von den jüdischen Inhabern weiß man heute nichts mehr. Während des Krieges ist das Haus als Waffenlager verwendet und nach dem Krieg als zweites Kino wieder eröffnet worden.“ Geleitet wurde das Haus damals von der Kinolegende Walter Jonigkeit. „Er ist in ganz Berlin mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, um nach dem Krieg Filmkopien aufzutreiben“, so Zielinski. „Die Leute wollten unbedingt wieder Filme sehen.“ Zur Filmpremiere von „Vom Winde verweht“ standen die Kinofans fast bis zur Wilmersdorfer Straße nach Karten an. Es war der 4. Dezember 1953, der Tag, der bis heute als Geburtstag des Kinos gilt. Seitdem wird der Klassiker jedes Jahr an diesem Datum gezeigt. Erst seit anderthalb Jahren ist Tom Zielinski Geschäftsführer des altehrwürdigen Kinos.

Eigentlich jobbte der 31-Jährige in der Werbebranche und wollte sich als Kassierer etwas dazu verdienen. In kürzester Zeit stieg er erst zum Vorführer, dann zum Theaterleiter und schließlich zum Geschäftsführer auf: „Inzwischen werde ich in der Sparkasse erkannt und nach dem Kinoprogramm gefragt.“ Tom Zielinski kennt den Kiez, er ist in Charlottenburg groß geworden, direkt am Schloss. „Als 18-Jähriger hat das natürlich genervt“, sagt er. Deshalb ist er nach Prenzlauer Berg gezogen, dann nach Kreuzberg. Die Bezirke, in die man eben zog, in den späten Neunzigern, als das alte Zentrum am Kurfürstendamm nach und nach an Bedeutung verlor.

Das neue Zentrum am Potsdamer Platz wurde zum Konkurrent des Kinos, das bis dahin fast das einzige Originalsprachen-Kino in Berlin war. Multiplexe sprossen wie Pilze aus dem Boden. Zwischenzeitlich musste die Kurbel sogar ein paar Monate schließen. Heute, so scheint es, gewinnt das kleine Kino mit seinen drei Sälen und der Mischung aus Arthouse und Mainstream wieder an Beliebtheit. Auch Schauspieler, die hier wohnen, wie Detlev Buck, Christoph Maria Herbst oder Oliver Kalkhofe gehen gerne in die Kurbel. „Um zehn Prozent ist der Umsatz letztes Jahr gestiegen“, sagt Tom Zielinski. „Die Multiplexe klagen über Besucherrückgang.“

Die Kurbel Giesebrechtstraße 4, Berlin-Charlottenburg, Tel. 88 91 59 98, www.die-kurbel.com

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