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„Die Liebesfälscher“ im Kino

Die Liebesfälscher

Für Abbas Kiarostami ist das Kino eine paradoxe Maschinerie, die erst in ihrer Fälschungsarbeit erlaubt, zu einer Wirklichkeit zurückzukehren, die sich anders gar nicht aufzeichnen ließe. Original (Wirklichkeit) und Kopie (Film) tauschen in dieser Logik gewissermaßen  von Anfang an die Plätze und Kiarostami hat die dabei entstehenden schillernden Verwicklungen in einer ganzen Serie von Meisterwerken eingefangen. „Die Liebesfälscher“ ist ein weiteres Experiment mit diesem Verhältnis, angesiedelt an einem Nachmittag in der Toskana. Er ist Schriftsteller, der gerade in einem pittoresken Städtchen ein Buch über das Verhältnis der Kopie zum Original vorgestellt hat, sie eine Antiquitätenhändlerin, die einen kleinen Flirt mit ihm beginnt und nach einer Stunde ein Spiel, bei dem sich beide verhalten, als wären sie seit 20 Jahren ein – inzwischen voneinander enttäuschtes – Paar. Das ist so virtuos gespielt und geschrieben, dass man schließlich auch als Zuschauer an die Wahrheit ihrer Fiktion glauben will und bewegt ihrem Eintritt ins Trugbild folgt, das sie sich selbst erschaffen.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Alamode Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Liebesfälscher“ im Kino in Berlin

Die Liebesfälscher (Copie conforme), Frankreich/Italien 2010; Regie: Abbas Kiarostami; Darsteller: Juliette Binoche (Sie), William Shimell (James Miller), Jean-Claude Carriиre (Mann am Platz); 106 Minuten

Kinostart: 13. Oktober

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Abbas Kiarostami

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