Gesellschaftssatire

„Die Liebhaberin“ im Kino

Belén ist eine wortkarge junge Frau, deren gedrückte Körperhaltung Bände spricht. So geht eine, die von unten kommt

Grandfilm

Ihre neue Anstellung als Putzkraft führt sie in den ­sterilen Haushalt jener Reichen, die außerhalb von Buenos Aires in einer Gated Community ­residieren: zu einem neurotischen Tennis­profi und dessen Mutter, die sich als typische Vertreterin der modernen Bourgeoisie durch ihr Besitz und Anwesen definiert. Um dessen protziges, geschmackloses Ambiente kümmert sich Belén. Bis sie eines Tages über den Gartenzaun späht und eine völlig neue Welt entdeckt: Unbewacht in einer paradiesischen Wohnanlage tummeln sich nackte Menschen und tun den lieben langen Tag nichts anderes, als sich zuhören, streicheln, im Pool aalen und so fort. Der Kontrast zum reglementierten ­Alltag der gesellschaftlichen Elite könnte nicht stärker sein. Nach anfänglicher Scham überwiegt bei Belén die Neugier, und ihr Selbstbewusstsein wächst, als sie Teil des Nudisten- und Swingercamps wird.
Sehr lakonisch skizziert der österreichische Regisseur Lukas Valenta Rinner in seinem zweiten Spielfilm bitterböse Gesellschaftskritik. Er thematisiert Nacktheit, die den gesellschaftlichen Stand der Person verbirgt, Sexua­lität ohne definierte Beziehungsmuster, Körper ohne Verheißung eines Schönheits­ideals. Nur ein Zaun trennt die ultimative Freiheit von der starren Ordnung der Elite. Absehbar, dass die Situation eskaliert. Wild und bedingungslos.

Los decentes (OT) A/KOR/ARG 2016, 100 Min., R: Lukas Valenta Rinner, D: Iride Mockert, Andrea Strenitz, Pablo Seijo, Mariano Sayavedra, Start: 9.11.

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