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„Die Lincoln Verschwörung“ im Kino

Die Lincoln Verschwörung

Woran denkt die Weltöffentlichkeit, wenn sie Bilder von Menschen in Einzelhaft mit Ketten an den Füßen und Kapuzen über dem Kopf sieht? Zwangsläufig kommt uns allen wohl sofort Guantбnamo Bay in den Sinn, wo die USA seit mittlerweile zehn Jahren mutmaßliche islamistische Terroristen ohne Anklage und Verfahren festhalten, oft allein auf vagen Verdacht hin und mit der Begründung, die Häftlinge stellten eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. Um diese Assoziation weiß Regisseur Robert Redford natürlich genau, wenn er uns in seinem historischen Gerichtsdrama um den Prozess gegen die Mörder von US-Präsident Lincoln und mehrerer seiner Kabinettsmitglieder die Attentäter in ebensolchen einprägsamen Bildern zeigt. Und natürlich weiß der erklärte Liberale Redford auch, dass sich gegen „nationale Sicherheit“ nur schwer argumentieren lässt. Das beste Gegenargument kann nur das dickste aller Geschütze sein: die US-Verfassung, welche die Bürgerrechte unabhängig von Herkunft und Stand garantiert. „Die Lincoln Verschwörung“ ist deshalb bei aller historischen Akkuratesse vor allem eine Parabel auf die US-Politik der (mindestens) letzten zehn Jahre.
Redford erzählt von der Lincoln-Nachfolgeregierung, die im Prozess gegen die Verschwörer ausschließlich an der Staatsräson interessiert ist und auf eine schnelle Verurteilung (und Hinrichtung) drängt. Dazu wird gelogen und bestochen, nach Gutdünken setzt man sich über Recht, Gesetz und Verfassung hinweg. Egal, was der Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy in einer sehr engagierten Vorstellung) für seine Mandantin, die Pensionswirtin Mary Surratt (Robin Wright), in deren Etablissement sich die Verschwörer getroffen hatten, vor dem Militärgericht unternimmt und zwischenzeitlich erreicht – am Ende sitzt immer die Regierung am längeren Hebel. „Die Lincoln Verschwörung“ macht Stimmung für die Vernunft: mit den Mitteln der Vernunft und der Kraft der Argumentation anstelle von großen Emotionen. Das ist so ehrenwert, grundsolide (und ein wenig trocken) wie Robert Redford selbst.

Text: Lars Penning

Foto: Claudette Barius / Tobis Film

tip-Bewertung: Annehmbar

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Die Lincoln Verschwörung (The Conspirator), USA 2010; Regie: Robert Redford; Darsteller: James McAvoy (Frederick Aiken), Robin Wright (Mary Surratt), Kevin Kline (Minister Edwin M. Stanton); 123 Minuten; FSK 12

Kinostart: 29. September

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