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„Drei Affen – Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ im Kino

KinoDas Cineasten-Universum hat seine olympischen Götter: Bresson, Ozu, Dreyer, seinen Filmfestzyklus: Berlin, Cannes, Venedig, und seine irdischen Statthalter: Scorsese in New York, Rohmer in Paris, Kiarostami in Teheran. In Istanbul wird das Erbe des Autorenkinos von Nuri Bilge Ceylan, Jahrgang 1959, bewahrt und wei­tergeführt. Als der 16-jährige Ceylan in der Istanbuler Kinemathek (die es heute nicht mehr gibt) Ingmar Bergmans „Das Schweigen“ sah, war das für ihn das entscheidende Erweckungserlebnis. Er sog das Kino der großen Meister auf wie ein trockener Schwamm. Seelennahrung und künstlerische Prä­gung. Wenn man heute von einem Filmemacher mit derselben Bewunderung sprechen kann, wie einst von Antonioni, dann ist es der 50-jährige Ceylan.
Seine Filme entfalten eine magische Bilderwelt aus Schönheit und Strenge, kontemplativer Melancholie und dramatischer Intensität und erkunden, ähnlich wie Antonioni, die existenziellen Themen von Entfremdung und Sprachlosigkeit. „Drei Affen“ beginnt wie ein Noir-Krimi auf einer regennassen nächtlichen Land­straße und verwandelt sich allmählich in ein leidenschaftliches Melo, über dem ein imposanter Ge­wit­ter­himmel aufzieht. Ein Politiker aus Istanbul verursacht einen tödli­chen Unfall, bezahlt seinen Chauffeur dafür, dass er die Haftstrafe auf sich nimmt, und beginnt eine Affäre mit dessen Ehefrau.
In Ceylans letztem Film, „Iklimler – Jahreszeiten“, waren die Protagonisten Intellektuelle, hier entstammen sie einem kleinbürgerlichen Milieu. Die Frau arbeitet in einer Kantine, der Ehemann-Chauffeur fügt sich ohne Widerrede dem Ansinnen seines Chefs, der erwachsene Sohn weiß nicht recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Was die Figuren an Lüge, Schuld, Scham und Verzweiflung mit sich tragen, bleibt im Unausgesprochenen, rumort aber gewaltig in deren Innenleben. In alltäglichen Situationen wird ein Zustand seelischer Lähmung geschildert, in dem sich Erup­tionen von Gewalt vorbereiten. Die politische Situation bleibt Hintergrund, es geht um ein exis­tenzielles Drama, das freilich als Metapher für einen gesellschaftlichen Zustand gelesen werden kann.

Text: Rainer Gansera

tip-Bewertung:
Sehenswert

Drei Affen – Nichts hören, nichts sehen. nichts sagen (Üc maymun), Türkei/Griechenland/Italien 2008; Regie: Nuri Bilge Ceylan; Darsteller: Yavuz Bingöl (Eyüp), Ercan Kesal (Servet), Hatice Aslan Kaleli (Hacer); Farbe, 109 Minuten

Kinostart: 19. März 2009

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