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„Die Maisinsel“ im Kino

Die Maisinsel

Sein wettergegerbtes Gesicht, das immer wieder in Großaufnahme gezeigt wird, zeugt von einem tätigen Leben unter freiem Himmel. Der alte Landmann Abga nimmt nach alter Sitte eine winzige Insel in Besitz, die im Frühjahr bei sinkendem Wasserpegel mitten in einem Fluss entstanden ist. Mit seiner 16-jährigen Enkelin Asida baut er ein kleine Hütte und pflanzt Mais an. Ein risikoreiches Unterfangen, denn im Herbst ist die Ernte durch Überschwemmungen bedroht. Und an beiden Flussufern lauern verfeindete Soldaten.
Über weite Strecken wirkt „Die Maisinsel“ wie ein lyrischer, ethnografischer Film: In langen Einstellungen und Kamerafahrten wird ohne viele Worte und untermalt von träumerischer Musik die mühevolle Arbeit der beiden Protagonisten gezeigt – bis die Ankunft eines verwundeten Kämpfers sowie ein Unwetter für Aufregung sorgen.
Die brillanten, mit 35-Millimeter-Film häufig bei malerischem Morgen- oder Abendlicht gedrehten Naturaufnahmen laden ein zu meditativer Betrachtung. Denn gleichnishaft wird hier das Drama des menschlichen Daseins dargestellt. Der Kreislauf von Geburt, Wachstum, Reife, Alter und Tod. Die Vorstellung von der Erde als Mutter. Die nicht enden wollenden Kämpfe und Kriege unter den Menschen. Aber auch Hilfsbereitschaft und Geschlechtstrieb. Das Mädchen Asida trägt zunächst noch eine Puppe mit sich herum, dann treibt sie neckische Spielchen mit einem genesenden Soldaten. Ihre Sexualität ist erwacht, und die Puppe wird weg gelegt. Ein anderer Mann, der im nächsten Frühjahr zum Maisanbau auf die Insel kommt, findet sie, der Kreislauf beginnt von Neuem.

Text: Ralph Umard

Foto: Neue Visionen

Orte und Zeiten: „Die Maisinsel“ im Kino in Berlin

Die Maisinsel (Simindis kundzuli), GE/D/F/CZ/KZ 2014; Regie: George Ovashvili; Darsteller: Ilyas Salman (Abga), Mariam Buturishvili (Asida), Irakli Samushia (Soldat); 101 Minuten

Kinostart: Do, 28. Mai 2015

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