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„To Die Like A Man“ im Kino

To Die Like A Man

Ein Paar Hände faltet kunstvoll ein Blatt Papier, formt es um, wie man es von der japanischen Faltkunst Origami kennt. Doch das Ergebnis wird kein Kranich oder Schmetterling sein, demonstriert wird stattdessen, wie bei einer Geschlechtsumwandlung aus dem Penis eines Mannes die Vagina einer Frau werden kann. Die Stimme des Arztes erläutert aus dem Off mechanisch einzelne Schritte und die Effizienz des Verfahrens für Antonio, der als Tonia lebt und die Hauptfigur ist in Joгo Pedro ­Rodrigues’ neuem Film „Morrer Como Um Homem“.
Nach seinen zwei Festivalerfolgen „O Fantasma“ und „Odete“, die ihn zu einer der Schlüsselfiguren des jungen portugiesischen Kinos werden ließen, widmet sich Rodrigues ein weiteres Mal Queer-, Gender- und Transgenderthematiken am Beispiel Tonias, die schon lange als Frau lebt, aber vor dem letzten, entscheidenden Schritt zurückschreckt: Was Gott erschaffen hat, möchte sie sich nicht anmaßen zu verändern, während ihr junger Lover Rosбrio ihr vorwirft, nicht Fisch und nicht Fleisch zu sein, weder Mann noch Frau. Unter dieser Uneindeutigkeit leidet nicht nur Tonias Liebesbeziehung, sondern auch das Verhältnis zu ihrem ­erwachsenen Sohn, gleichzeitig erreicht sie ein Alter, in dem ihre Karriere­ als Dragqueen zu stagnieren beginnt.
Rodrigues führte Interviews mit Transsexuellen und Ärzten, bevor er das Drehbuch schrieb. Formal arbeitet er mit Bezügen zu den Melodramen von Douglas Sirk, zu Musicals oder der griechischen Tragödie. So versucht er die Verbildlichung einer Suche nach Liebe, die sich nur durch den Körper manifestieren kann. Für Tonia stellt dies einen aussichtslosen Kampf um Eindeutigkeit dar, den sie in einem Lied zum Ausdruck bringt, über ihren Wunsch nach einem Sein im Plural.
Interessante Ansätze, die um dieses Grundthema der menschlichen Existenz kreisen, verlieren sich zum Teil in symbolischer Überfrachtung und fügen sich nicht in eine stringente Form. Ein wenig verdeckt werden so die tieferliegenden Verfasstheiten und Gefühlszustände der Figuren, die eine reduziertere, distanziertere Erzählweise womöglich stärker hätte freilegen können.

Text: Valerie Bäuerlein

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „To Die Like A Man“ im Kino in Berlin

To Die Like A Man (Morrer Como Um Homem), Portugal/Frankreich 2009; Regie: Joгo Pedro Rodrigues; Darsteller: Fer­nando Santos (Tonia), Alexander David (Rosбrio), Chandra Malatitch (Zй Maria); 135 Minuten; FSK 16

Kinostart: 3. Februar

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