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„Die Mannschaft“ im Kino

Die Mannschaft

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat im Sommer 2014 ohne Frage Historisches geleistet: Nicht allein, dass sie als erste europäische Mannschaft in der doch immerhin 84-jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften den Titel in Südamerika holen konnte. Auch das 7:1 im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien wird für viele Jahrzehnte unvergessen bleiben.
Die Dokumentation „Die Mannschaft“ bietet nun die Gelegenheit, die sieben Wochen der WM inklusive Vorbereitung noch einmal zu erleben. Das im Untertitel des Film gegebene Versprechen „Erlebe die FIFA WM, wie Du sie noch nie erlebt hast“ können die Regisseure indes nicht ganz einlösen. Zugegeben, man erfährt ein paar Dinge, die man vorher so nicht gewusst hat. So wird u.a. das Geheimnis um den Stolper-Freistoß von Thomas Müller im Spiel gegen Algerien gelüftet und auch Miroslav Klose verrät, nach welchen Kriterien er sich seine Mitbewohner im Trainingslager ausgesucht hat.
Im Großen und Ganzen gleicht die Dokumentation jedoch eher einem Image und Werbefilm des DFB und seiner Protagonisten. Zu glatt gebügelt wirken die Ereignisse, zu überlegt und durchdacht die Interviews der Spieler und Trainer. Im Grunde wiederholen sie nur noch einmal, was sie in unzähligen Frage-und-Antwort-Spielen während des Turniers auch schon in die Mikrofone erzählt haben. Von Krisen, Selbstzweifeln oder gar Versagensängsten keine Spur bleibt der Film an der erzählerischen Oberfläche und vermittelt so unfreiwillig den Eindruck, dass es zum Fußball-Weltmeister Deutschland keinerlei Alternative gab.
Es mag schwierig sein, in einer Dokumentation, deren Ende schon zu Beginn allseits bekannt ist, einen mitreißenden Spannungsbogen zu entwickeln. Wird jedoch versucht, die Spannung allein durch musikalisch unterlegte Montagen zu erzeugen, die mit nervender Regelmäßigkeit in einer Zeitlupeneinstellung enden, ist das dramaturgische Ziel definitiv verfehlt – zumal eben auf die Steilvorlage verzichtet wird, die dem Sport seine Faszination verleiht. Die Gegner des deutschen Teams werden selbst als Antagonisten völlig unter den Teppich gekehrt. Glaubt man der Dokumentation, hatten die jungen Fußballer nur einen Gegner: sich selbst. Das widerum kann „Die Mannschaft“ in ihrer glattgebügelten Oberflächlichkeit aber eben auch nicht vermitteln und so bleibt am Ende ein Film für Event-Fans, die schon im Sommer mitgefiebert haben und keinen anderen Anspruch stellen, als die Zeit der WM im Schnelldurchgang noch einmal zu erleben.

Text: Martin Zeising

Foto: 2014 Constantin Film Verleih GmbH / DFB

Orte und Zeiten: „Die Mannschaft“ im Kino in Berlin

Die Mannschaft, Deutschland 2014; Regie: Martin Christ, Jens Gronheid, Ulrich Voigt, 91 Minuten

Kinostart: Do, 13. November 2014

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