Sozialsatire

„Die Migrantigen“ im Kino

Die TV-Journalistin Marlene Weizenhuber möchte eine Serie über das (fiktive) Wiener Multikulti-Viertel Rudolfsgrund drehen

Foto: Camino

„Und den habt ihr doch – den Migrationshintergrund?“, fragt die überengagierte Fernseh-Journalistin Marlene Weizenhuber (Doris Schretzmayer) die zwei Freunde Benny (Faris E. Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic), als sie zufällig im Unterhemd vor einem Sozialbau sitzen. Die Reporterin möchte eine TV-Serie über die Menschen des (fiktiven) Multikulti-Viertel „Rudolfsgrund“ in Wien drehen – nur eben ein bisschen überspitzt.

Benny und Marko sind Migranten zweiter Generation, in Österreich geboren und „integriert“, sie werden aber wegen Äußerlichkeiten auf ihre Wurzeln reduziert – das macht beide grantig, „migrantig“. Eigentlich sind sie typische Großstadt-Hipster, mit allem was dazu gehört: zentrale Altbauwohnung, fancy Sneakers und Mate-Tee-Start-Up. Da Markos Firmenidee nicht aufgeht und Benny in seiner Schauspielkarriere immer nur Rollen als arabischer Taxifahrer bekommt, geben sie sich für die Serie als richtige „Ausländer“ aus.

Die Sozialkomödie von Arman T. Riahi schafft eine hübsch stereotypisierte Welt in einem sozialen Brennpunkt, um eben jene festgefahrenen Vorurteile offenzulegen. Er lässt Benny und Marko in Jogginganzug und Goldkette auftreten, im Hintergrund läuft Deutsch-Rap. Sie spucken auf die Straße, fluchen, tun so als ob sie kleinkriminell wären – eben alles, was „richtige“ Ausländer auch machen, glauben sie zumindest.

Auf eine kluge Art spricht Riahi gesellschaftliche Probleme an, die auch durch die Medien konstruiert werden. Leider verpackt er die ganze Geschichte in eine etwas zu heile Welt, die zu sehr in Watte gehüllt scheint. Wo alle dann doch kapieren, dass sie einander brauchen und zusammenhalten. Der lockere Schmäh fällt zum Teil der evozierten Komik zum Opfer. Trotzdem: lustig und vor allem aktuell.

Die Migrantigen A 2017, 95 Min., R: Arman T. Riahi, D: Faris E. Rahoma, Aleksandar Petrovic, Doris Schretzmayer, Start: 7.9.

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