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„Die Möbius-Affäre“ im Kino

Die Möbius-Affäre

Es ist interessant zu beobachten, wie der mit Ende des Kalten Krieges scheinbar schon aus der Mode gekommene Spionagethriller in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt und sich dabei zum Versuchsfeld von Regisseuren mit Stilwillen und intelligenten Inszenierungsstrategien entwickelt hat. Was im letzen Jahr etwa für Tomas Alfredsons „Dame, König, As, Spion“ galt, gilt auch für „Die Möbius-Affäre“ des französischen Regisseurs Eric Rochant, der mit „Staatsauftrag: Mord“ (1994) schon einmal einen Klassiker des Genres abgeliefert hat.
Inmitten von komplizierten Intrigen, die auch die Hauptverantwortlichen allenfalls teilweise überblicken (auf die Orientierungslosigkeit bezieht sich auch der Titel: Bei einem Möbiusband kann man nicht zwischen innen und außen, oben und unten, Anfang und Ende unterscheiden), erzählen Blicke, Gesten und die Anordnung der Figuren im Raum mehr über Wünsche, Begehrlichkeiten und Machtverhältnisse als etwa die Dialoge. Die Geschichte ist so modern wie doppelbödig: Die Kollegen des russischen Meisteragenten Grйgory Lioubov (Jean Dujardin) werben in Monaco die Finanzmaklerin Alice Redmond (Cйcile de France) an, die sich mit ihren Fähigkeiten das Vertrauen des Oligarchen Ivan Rostovski (Tim Roth) erschleichen soll, um ihn seiner illegalen Geschäfte zu überführen. Was simpel klingt, verkompliziert sich schnell, als Gefühle ins Spiel kommen: Grйgory und Alice verlieben sich, ohne dass sie seine Identität kennt; er hingegen riskiert mit dieser Liaison, die er vor seinem Überwachungsteam verheimlicht, den Erfolg der Operation.
Alice wiederum muss sich der Avancen Rostovskis erwehren, dessen misstrauischer Sicherheitschef ihr seinerseits hinterherspioniert. Während der geschickt konstruierte Film die Agententätigkeiten, die sich ständig um neue politische Facetten erweitern, keineswegs aus den Augen verliert, gewinnt die Liebesgeschichte zwischen den beiden betrogenen Betrügern doch immer mehr an Raum: Das ehrliche Begehren, die Freude aneinander bekommt in dieser Welt des Verrats zusehends etwas ganz Reines. Umso tragischer und anrührender ist das Ende dieses elegant inszenierten Thrillers, dessen erstklassige Besetzung nicht unwesentlich zum intelligenten Vergnügen beiträgt.

Text: Lars Penning

Foto: 2013 PROKINO Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Möbius-Affäre“ im Kino in Berlin

Die Möbius-Affäre (Möbius), Frankreich 2013; Regie: Eric Rochant; Darsteller: Jean Dujardin (Grйgory Lioubov alias Moпse), Cйcile de France (Alice Redmond), Tim Roth (Ivan Rostovski); 108 Minuten; FSK 12

Kinostart: 1. August

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