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„Die Muppets“ im Kino

Die Muppets

In den Nullerjahren war es nicht leicht, grün zu sein. Kermit der Frosch und all die anderen Muppets hatten ihre Glanzzeiten hinter sich. Ganze 13 Jahre ist es her, dass Jim Hensons legendäre Puppenshowtruppe in „Muppets aus dem All“ ohne Erfolg und alten Schwung den Wurzeln des undefinierbaren Gonzo nachspürten. Seitdem wurden die Muppets 2004 von der Jim-Henson-Company an die Disney-Studios verkauft und traten allenfalls in sporadischen Weihnachts-Specials und Fernsehfilmen in Erscheinung.
Wiederbelebt wurden sie nun von einem Star, der sich als echter Fan outet. Jason Segels Puppenbegeisterung spiegelte sich zwar schon in seiner Figur in der Komödie „Nie wieder Sex mit der Ex“ wider. Abgesehen davon war der gutmütige Marshall aus der Sitcom „How I Met Your Mother“ bislang vor allem in oft derbe und nicht gerade familientaugliche Komödien involviert: von „Bad Teacher“ bis zu „Beim ersten Mal“ von Komödien-Guru Judd Apatow.
Doch Segel ist, seit er als kleiner Junge Anfang der 80er-Jahre erstmals die Videos sah, eben auch so von den Muppets begeistert, dass er die Disney-Studios von einem neuen Projekt überzeugte. Zusammen mit Nicholas Stoller („Männertrip“) schrieb er das Drehbuch, das von James Bobin („Flight of the Conchords“) verfilmt wurde.
Die MuppetsIn „Die Muppets“ wird die desolate Situation der Showtruppe aufgegriffen und über ein paar Metaebenen hinweg eine klassische Muppets-Geschichte erzählt: Es geht darum, noch einmal eine große Show auf die Beine zu stellen, um die Muppet Studios und das alte Theater gegen die Abrisspläne eines hinterlistigen Öl-Barons (schön böse: Chris Cooper) zu verteidigen. Rettung kommt aus Smalltown: von Gary (Segel), der mit seiner Fast-Verlobten (Amy Adams) und seinem Halbbruder Walter einen Trip nach Los Angeles unternimmt. Letzterer ist selber ein unter Menschen aufgewachsener Muppet, der aber auch der größte Anhänger der Muppets Show ist und unbedingt die verstreute Truppe wieder zusammentrommeln will.
Kermit lebt inzwischen zurückgezogen in einer alten Villa. Und die ewige Schweinediva Miss Piggy ist Redakteurin bei der „Vogue“. Schlimm getroffen hat es hingegen Fozzie, der mit einer jämmerlichen Kopie der Muppets, den Moopets, in billigen Bars auftritt. Nicht nur wenn Kermit den Muppets-Klassiker „Rainbow Connection“ anstimmt, findet dieser Reboot mit einnehmendem Optimismus zurück zum Geist der frühen Jahre: zu den herrlich überdrehten Absurditäten, der cleveren Selbstironie und der Retro-Varietй-Anarchie, die nur gelegentlich sentimental gebrochen wird. Zwar entfacht er wie viele Gegenwartskomödien einen wilden Referenzhumorwirbel inklusive vieler Cameo-Auftritte, wirkt andererseits in Zeiten omnipräsenter CGI-Kinotrickserei aber nicht nur durch den handgemachten Zottelpuppencharme wohlig altmodisch. Der Film drückt auch beim älteren Publikum gekonnt die Nostalgie-Knöpfchen, ohne damit nachfolgende Generationen abzukoppeln. Die Zukunft steht den Muppets wieder offen.

Text: Sascha Rettig

Foto: Scott Garfield / Disney Enterprises

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Muppets“ im Kino in Berlin

Die Muppets (The Greatest Muppets Movie Ever Made), USA 2011; Regie: James Bobin; Darsteller: Jason Segel (Gary), Amy Adams (Mary), Chris Cooper (Tex Richman); 109 Minuten; FSK 0

Kinostart: 19. Januar

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