Beziehungsdrama

„Die Ökonomie der Liebe“ im Kino

Eine Ehe zerbricht. Normalerweise geht mit dem Ende der Beziehung auch eine räumliche Trennung einher, die es den Ex-Partnern ermöglicht, einen gewissen Abstand zu gewinnen.

Foto: Camino

Doch nicht so in „Die Ökonomie der Liebe“, denn Boris (Cédric Kahn) hat ­keine Arbeit, kein Geld und keine Wohnung. Er ist weiterhin Gast in jenem Haus, das auch einmal ihm gehörte, und soll sich nun den Regeln von Marie (Bérénice Bejo) fügen, auch im Umgang mit den Kindern, denen das Verständnis für die ­Situation sowieso schwer fällt. ­Boris seinerseits verlangt von ­Marie den Gegenwert der Hälfte des Hauses, das sie einst gekauft, er jedoch ausgebaut hat. Die Fronten verhärten sich.
Wie bei einem Laborversuch verdichtet der Film des belgischen Regisseurs Joachim Lafosse in der räumlichen Enge sehr realistisch all jene Themen und Gefühle, die in so einer Lage zur Sprache kommen. Dabei geht es nicht nur um Geldfragen, sondern auch um langgehegte Ressentiments der aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammenden Ex-Partner, vage Hoffnungen auf Versöhnung, und um Boris’ stetiges Hineinsteigern in die Rolle des Opfers.
Eine bedenkenswerte Außenperspektive bietet Maries Mutter Christine (Marthe Keller) an. Sie blickt mit großem Pragmatismus auf die Situation und weiß vor allem eines: Frühere Generationen haben bei Beziehungsstreit nicht so schnell die Flinte ins Korn geworfen.

L‘économie du couple (OT) F/B 2016, 100 Min., R: Joachim ­Lafosse, D: Bérénice Bejo, Cédric Kahn, Marthe Keller, Start: 3.11.

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren