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Die Ohrbooten im Supamolly

Die Ohrbooten

Die Rezensionen zu ihren Alben lesen sich immer gleich: Live seien die Ohrbooten ein absolutes Spektakel, auf Platte hingegen eher semivirtuos. Gitarrist Mathias Jechlitschka stört derlei Kritik wenig. Ganz im Gegenteil: „Dieser Vorwurf ist für uns ein Kompliment“, sagt er. „Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn es andersherum wäre.“ Bei den Aufnahmen zum neuen Album „Tanz mal drüber nach“ hat die Band deshalb auch gar nicht erst versucht, energischer oder spielwütiger zu klingen. Vielleicht ist es genau dieser Laissez-faire-Einstellung geschuldet, dass die Ohrbooten auf Platte Nummer fünf trotzdem ein Stück näher an ihren Live-Sound gerutscht sind. Das mag an der extra Prise Rap liegen oder an den aufgestockten orientalisch-balkanesken Melodien. Wahrscheinlich aber auch an den Turbans, einer Instrumentalisten-Combo mit Mitgliedern aus Südost-Europa, England und Israel. Durch deren musikalische Unterstützung geraten vor allem die Polka-, Ska- und Dancehall-Anteile im Ohrboot’schen Sound hemmungsloser und schwitziger. Die Berliner Band rund um Sänger Benjamin Pavlidis serviert auf dem neuen Album aber natürlich nicht nur Tanznummern. Zum bewährten Gyp-Hop-Klangspektrum gehören auch entspannte Reggae-Songs und erdige HipHop-Tracks im Stil eines Käptn Peng. Der Berliner Rapper sei beim Schreiben eine große Inspiration gewesen, so Gitarrist Jechlitschka. Schlussendlich haben die beiden Partien dann sogar einen gemeinsamen Song aufgenommen. In „Hallo ich“ fachsimpeln Peng und Pavlidis über die eigene Identität und begeben sich auf eine Reise ins Innere. Ähnlich philosophisch geht es im Track „Nichts ist alles“ zu: „Er handelt davon, dass trotz unseres logischen Denkens und des Bedürfnisses, alles zu verstehen, uns oft entgeht, dass wir eigentlich gar keine Ahnung haben“, erklärt Jechlitschka.

Text: Henrike Möller

Foto: Sven Hagolani

Ohrbooten (Record-Release-Konzert), Supamolly, Jessner Straße 41, Friedrichshain, Do 28.5., 22 Uhr, AK: 5 Euro

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