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„Die Perlmutterfarbe“ im Kino in Berlin

Die PerlmutterfarbeWer’s nicht glaubt, gucke Marcus H. Rosenmüllers „Die Perlmutterfarbe“, in dem aus ein paar sogenannten Notlügen und einigen unglückli­chen Zufällen ein Riesendesaster entsteht. Und dabei fing, wie immer, alles so harmlos an: Um seiner Mitschülerin Lotte zu imponieren, will Alexander den Schulmalwettbewerb gewinnen und „leiht“ sich deswegen von einem Buben aus der Parallelklasse ein Buch mit tollen Illustrationen. Doch bevor Alexander es zurück­geben kann, läuft die titelgebende Farbe darauf aus und beschädigt es irreparabel. Fertig ist der Schlamassel, aus dem der Junge keinen Ausweg findet, umso weniger, als es sich bald schon zu einem Klassenkrieg im Wortsinn auswächst: Die A gegen die B – aufgehetzt von Schulneuzugang Gruber, der möglicherweise einfach nur Anerkennung sucht, vielleicht aber auch, als Sohn eines Kapitalisten und Konkursgewinnlers, das Böse an sich repräsentiert.
„Die Perlmutterfarbe“ beruht auf dem gleichnamigen „Kinderroman für fast alle Leute“, den die Wiener Jüdin Anna Maria Jokl in den späten 1930er Jahren im Prager Exil schrieb. Im Mikrokosmos einer Schule fängt der 1931 angesiedelte Text den aufziehenden Nationalsozialismus ein, er handelt von der Schwierigkeit, die eigene Feigheit zu überwinden und für seine Überzeugungen einzustehen, und untersucht die gruppenpsychologischen Ursachen für Totalitarismus.
Rosenmüller hat aus Jokls Roman einen detailreich und liebevoll ausgestatteten, bis in die Ne­benrollen sorgfältig besetzten Film mit beträchtlichem Unterhaltungswert geschaffen. Den didaktischen Impetus ebenso wie das historische Setting der Vorlage lässt er dabei allerdings intakt, was dazu führt, dass man von manchen Szenen wie mit einem Holzhammer bearbeitet wird. Doch die Freude über ein Wiedersehen mit Markus Krojer – dem Laus­buben aus Rosenmüllers Erstling „Wer früher stirbt“, hier in der Rolle des Alexander – können selbst diese dramaturgischen Grobheiten nicht komplett versauen.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Annehmbar

Die Perlmutterfarbe, Deutschland 2008; Regie: Marcus H. Rosenmüller; Darsteller: Markus Krojer (Alexander), Zoë Mannhardt (Lotte), Dominik Nowak (Maulwurf); Farbe, 103 Minuten

Kinostart: 8. Januar 2009

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