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Kino & Stream

Die Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale 2010

WAGsMilieu, Atmosphäre, Binnenlogik: das kann das junge deutsche Kino offenbar gut. Viel Wirklichkeit und wenig Kino. Gerade das Dokumentarische beeindruckt dagegen im diesjährigen Programm durch virtuose Kargheit. Ein analytischer Umgang mit den beiden Grundkomponenten Bild und Ton macht „Portraits deutscher Alkoholiker“ von Carolin Schmitz zu einer gleichzeitig stilisierten und ergreifenden Expedition in verschiedene soziale Kontexte, die durch die allmähliche Zerrüttung infolge der Sucht parallelisiert werden. Sachliche Kommentare der Trinker begleiten monumentale Bilder des Belanglosen, der Mittelklassehaushalt mit seiner Fülle der Dinge wird unter diesem Blick zu einer fatalen, metaphysischen Anordnung. Dem derart kunstvoll Reduzierten stellt das Programm geduldige Beobachtungen im Direct-Cinema-Gestus wie „Die Haushaltshilfe“ über eine slowakische Arbeitsmigrantin in der schwäbischen Provinz zur Seite – oder auch ratlos Schlichtes wie Jan Raibers „Alle meine Väter“, dessen biografische Selbstbefragung unangenehm direkt und privat wirkt, bis der Zuschauer sich dem Sog der Nähe überlässt.
Auch die abendfüllenden Spielfilme sind fest in der sozialen Realität geerdet – sogar „Schwerkraft“, Maximilian Erlenweins „blind“ ins Programm genommener Träger des diesjährigen Max-Ophüls-Preises, verbindet seine radikale Emanzipationsgeschichte vom Bankangestellten zum Kriminellen mit der Kritik an einer Kreditwirtschaft, die im wahrsten Sinne über Leichen geht. Es liegt in der Logik des deutschen Subventionssystems, dass es reifere, aufwendigere Produktionen wie Dietrich Brüggemanns Eröffnungsfilm „Renn, wenn du kannst“ sind, die sich auf einen konventionellen Naturalismus zurückziehen. Ein zynischer Rollifahrer, sein netter Zivi und eine schüchterne Cellistin ergeben eine vorhersehbare Mйnage а trois, die dann durch schnoddrigen Humor, gelungenen Erzählrhythmus und schauspielerische Präsenz durchaus Spannung gewinnt. Der Regisseur gibt seine Visitenkarte für den „Tatort“ ab – auch das ist ein zentraler Aspekt des deutschen Gegenwartskinos.

Text: Stella Donata Haag

Alle meine Väter
17.2., 13.00, Colosseum 1
17.2., 20.30, CinemaxX 1

Bedways
21.2., 20.30,
CinemaxX 1

Die Haushaltshilfe
19.2., 14.00,
CinemaxX 6
19.2., 19.30, CinemaxX 3
20.2., 13.00, Colosseum 1
20.2., 20.30, CinemaxX 1

Narben im Beton
17.2., 14.00,
CinemaxX 6
17.2., 19.30, CinemaxX 3
18.2., 13.00, Colosseum 1
18.2., 20.30, CinemaxX 1

Schwerkraft
21.2., 19.30,
CinemaxX 6

Portraits deutscher Alkoholiker
18.2., 14.00,
CinemaxX 6
18.2., 19.30, CinemaxX 3
19.2., 13.00, Colosseum 1
19.2., 20.30, CinemaxX 1

WAGs
19.2., 14.00,
CinemaxX 6
19.2., 19.30, CinemaxX 3
20.2., 13.00, Colosseum 1
20.2., 20.30, CinemaxX 1

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