Dramödie

„Die Poesie der Liebe“ im Kino

Ein ganzes Leben lang überspannt und selbstverliebt

Temperclayfilm/ Christophe Brachet

Die große Liebe, ein Leben lang, von den frühen Siebzigern bis heute. Nicolas Bedos (Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller) und Doria Tillier (Drehbuch, Hauptdarstellerin), auch im richtigen Leben ein Paar, führen durch die Höhen und Tiefen von Victor und Sarah: er der erst zweifelnde, dann berühmte Schriftsteller; sie die kluge Frau im Hintergrund – mit Rahmenhandlung und einer nicht sehr verblüffenden „Auflösung“ des Eherätsels, die dem reichlich verkasperten Treiben nachträglich (Tief-)Sinn verleihen sollen.

Leider funktioniert der Film über weite Strecken nicht einmal als Persiflage einer turbulenten Romcom à la française. Zu eitel und selbstverliebt stellen Bedos/Tillier den Parcours durch die Gefühle und Jahrzehnte aus, als dass man ihrem Treiben mit Interesse oder gar Sympathie folgen möchte. Poster, Musikstücke und Perücken aus der Mottenkiste müssen für den jeweils aufgerufenen Zeitgeist herhalten. Der mittellose Schriftsteller klagt beim natürlich pfeiferauchenden Psychoanalytiker über Sexprobleme. Sarahs Eltern schreien jiddisch durcheinander, und da Woody Allen schon mal geplündert ist, sieht man das Pärchen kurz darauf aus einem Woody- Allen-Film kommen. Doch was liebevolles Zitat sein könnte, wirkt wiedergekäut.
Der Wille zur französischen Überdramödie ist überdeutlich, die wenigen gelungenen Szenen (das Weihnachtsessen bei Victors Eltern) und das quirlige Spiel Doria Tilliers machen die vielen überspannten und auch geschmacklosen Einfälle nicht wett: eine große Mogelpackung mit ein paar Lachern.

Die Poesie der Liebe F 2017, 115 Min., R: Nicolas Bedos, D: Doria Tillier, Nicolas Bedos, Start: 20.12.

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