Kino & Stream

„Der Räuber“ im Wettbewerb der Berlinale

tip Ihr Blick auf den Bankräuber ist fasziniert und zugleich distanziert. Sie psychologisieren kaum.
Heisenberg Beim Ausstopfen hat man eine Art von fotografischem Stillstand eines Wesens, aber eben tot. Bei der Beobachtung dieses Räubers kriegt man dagegen eine Art von phänomenologischem Bild dieses Menschen, der so viel Energie hat und so viel innere Kraft. Damit er sich selbst spürt, muss er absolut an die Grenzen gehen. Natürlich hat der auch einen Wunsch zu leben, normal zu leben und zu lieben und berührt zu werden von jemandem. Aber das steht eben in einem ganz starken Widerspruch zu seiner Natur. Ankommen hat für ihn auf jeden Fall mit der Selbstauslöschung zu tun. Ohne dass es jetzt ein Suizid ist. Das Stillstehen ist einfach seiner Natur zuwider.

tip Wie in „Schläfer“ haben Sie für einen Kriminalfilm wieder sehr untypisch erscheinende Polizisten. Es sind ganz lethargische, leise sprechende, ruhige Figuren.
Heisenberg Das Lustige bzw. das Interessante ist: Das sind echte Polizisten. Die arbeiten wirklich so.

tip Ein Mann mit heiserer Stimme, den Sie die meiste Zeit von hinten zeigen.
Heisenberg Ja, das ist der Herr Edelbacher, der lange Zeit Oberkommissar der Stadt Wien war, er war auch beteiligt an den Fahndungen nach dem Pumpgun-Ronnie. Und Herr Bednar, der zweite Polizist, hat im Drogendezernat gearbeitet. Das sind altgediente Polizeijungs. Die haben uns auch extrem geholfen in der Recherche und in der Art, wie wir mit den Verhören umgegangen sind. Wir haben ein Probeverhör gemacht mit der Darstellerin Franziska Weisz (die die Freundin des Räubers spielt, Anm.d.Red.), damit sie mal spürt, wie das ist, von echten Polizisten verhört zu werden. Und dieses Verhör war so gut, dass ich gesagt hab: Wir machen das einfach mit den beiden, die sind ja super. So ist das entstanden. Ich finde, es hat sich total gelohnt, weil es so eine spezielle Form des Verhörs ist, einfach was Neues. Diese Ruhe und gleichzeitig dieses Insistieren.

Interview: Robert Weixlbaumer

Der Räuber (Wettbewerb)
15.2., 16.00, Berlinale-Palast
16.2., 9.30, Friedrichstadtpalast
16.2., 18.00, Friedrichstadtpalast
16.2., 22.30, Urania
21.2., 21.30, Union Filmtheater

DER FILM

Marathon-Räuber
Zwischen 1985 und 1988 suchte Johannes Kas­tenberger österreichische Bankinstitute gleich serienweise mit dem Schrotgewehr heim. „Pumpgun-Ronnie“ wurde Kastenberger genannt, weil er sein Gesicht unter einer Ronald-Reagan-Faschingsmaske verbarg, mitunter überfiel er drei Banken an einem einzigen Tag. Als Kastenberger 1988 verhaftet wurde, entkam er beim Verhör durch einen Fenstersprung und hielt danach Polizei und Medien mit einer atemlosen Flucht durch den Wienerwald auf Trab. Dem Bankräuber, der leidenschaftlich Marathon lief, hat Martin Prinz seinen introspektiven Roman „Der Räuber“ gewidmet. Der Berliner Regisseur Benjamin Heisenberg hat mit Prinz diese Vorlage als Drehbuch mit einiger Freiheit adaptiert.
Heisenbergs Filmprojekt löst sich von der realen Figur und entwirft wie der Roman im Wechsel von dynamischen Flucht-, Raub- und Laufsequenzen und intensiven Ruhemomenten die Geschichte eines Mannes, der versucht, unter äußerstem Druck mit sich eins zu werden.

Text: Robert Weixlbaumer

zurück | 1 | 2

 

Die Sektion Generation für ein jüngeres Publikum 

Filmkritik + Trailer zu „Shutter Island“ 

Filmkritik zu „Ghost Writer“ von Roman Polanski

Zur Übersicht: Heute auf der Berlinale

Mehr über Cookies erfahren