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Die Schauspielerin Elisa Schlott

Elisa Schlott

Dass ein „Tatort“ über den Montag hinaus im Gedächtnis breite Spuren hinterlässt, kommt eher selten vor – im Falle der Crystal-Meth-„Tatort“-Folge „Borowski und der Himmel über Kiel“ war es der Fall. Grund dafür war neben dem Drehbuch von „Hotte im Paradies“-Autor Rolf Basedow vor allem das Schauspiel der 21-jährigen Berlinerin Elisa Schlott. Diese ließ die Crystal-Meth-Sucht des Jung-Junkies Rita Holbeck derart fühlbar werden, dass sich die Bilder von Ekstase und Martyrium noch tagelang im Bewusstsein der Zuschauer hielten.
Elisa Schlott, die ohne das Crystal-Meth-Make-up ein wenig aussieht wie die junge Scarlett Johansson, wurde in den Mensen und Kantinen zum Gesprächsthema. „Man hat mich oft erkannt“, sagt sie, „in der S-Bahn, auf der Straße, auch noch zwei Wochen nach dem ‚Tatort‘, das war ein ganz neues Gefühl.“ Auch früher hatte man sie schon bewundern können, als junges Mädchen zum Beispiel in Felix Fuchssteiners „Draußen am See“ oder Christoph Schaubs „Giulias Verschwinden“. Später dann unter anderem in dem Dominik-Graf-Film „Das unsichtbare Mädchen“ und der Juli-Zeh-Verfilmung „Spieltrieb“. Einen solchen Rummel um ihre Person aber hat es vor dem „Tatort“ nicht gegeben.
Dabei ist der Hype eigentlich gar nicht so ihr Ding. Erst einmal – bevor es weiter durch die Decke geht – möchte sie von Grund auf das Handwerk lernen. Seit dem vergangenen Jahr studiert Elisa Schlott Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. „Talent ist ja schön und gut, es ist aber auch wichtig, eine Technik zu haben, auf die man im Zweifel zurückgreifen kann.“
Zum Drehen bleiben ihr ob der Ausbildung nur zwei Monate im Jahr – mehrere Rollenangebote, die man ihr nach besagtem Sonntag antrug, hat sie daher ablehnen müssen. „Aber ich möchte mich ja auch nicht verballern“, sagt Elisa Schlott, die Nina Hoss und Sophie Rois bewundert, ohne dabei so sein zu wollen wie diese. „Ich sehe beide einfach wahnsinnig gerne spielen, vor allem auf der Bühne.“ Überhaupt sei das Theater die wirkliche Feuertaufe für einen Schauspieler. Erst nachdem sie im Herbst 2013 sechs Wochen lang in den Hamburger Kammerspielen beinahe jeden Abend auf der Bühne gestanden hatte, fühlte sie sich wirklich als Schauspielerin. Selbstbewusstsein hat sie heute genug, gerne arbeiten würde sie mit Lars von Trier. Der kommt ihrer spätestens seit dem „Tatort“ entwickelten Vorliebe für kaputte Charaktere auch wirklich entgegen.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Harry Schnitger / tip

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