Animationsfilm

„Die Schlümpfe: Das verlorene Dorf“ im Kino

Eine sich (fast) ausschließlich aus seltsamen Männern mit merkwürdigen Mützen zusammensetzende Gesellschaft, die Frauen als den Ursprung hinterhältigen Verhaltens ansieht und paternalistisch regiert wird von einem „Papa“ genannten, extrem vorsichtigen und konservativen Anführer

Foto: Sony Pictures Releasing GmbH

Woran muss man da sofort denken? Na klar, an die 1958 vom belgischen Comiczeichner Peyo erfundenen Schlümpfe natürlich, an denen der große Preis für emanzipatorisches Denken stets ziemlich weit vorbei gegangen ist.

Bis jetzt. Denn selbst wenn man immer noch daran glaubt, dass die kleinen Schlümpfe vom Storch gebracht werden – irgendwann muss man der Realität ja mal ins Auge blicken. Gibt es doch in der Gemeinschaft der kleinen blauen Kerle einen Schlumpf, der eindeutig anders ist: Lange blonde Haare umrahmen das Gesicht, ein Kleid verhüllt den Körper, und Schuhe mit Absätzen empfindet diese Person offenbar auch im Verwunschenen Land nicht als unpraktisch. Ganz klar: Schlumpfine ist ein weibliches Wesen, und allein ihrem Wagemut und Sozialsinn verdanken die Schlümpfe im neuen Animationsabenteuer „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ (R: Kelly Asbury, „Shrek 2“) eine neue bahnbrechende Entdeckung.

Denn als Schlumpfine erfährt, dass der böse Zauberer Gargamel eine bislang unbekannte Schlumpf-Gemeinschaft jenseits der hohen Mauer bedroht, macht sie sich mit drei Freunden auf den Weg, um die Fremden zu warnen. Und trifft dabei auf ein Dorf voller Schlumpf-Frauen, die partout nicht den Eindruck erwecken, als würden sie sich von irgendwem die Butter vom Brot nehmen lassen.

Die Abenteuer der gefährlichen Reise, die Auseinandersetzungen mit Gargamel und seinem fiesen Kater, sowie eine das Geschehen zunächst erheblich komplizierende Identitätskrise Schlumpfines – all dies ist ausnehmend vergnüglich anzusehen: Charmante Charaktere, lustige Dialoge und eine exzellente Animation (die sich besonders in den vielen Wald- und Flussszenen bemerkbar macht) tragen zu einem denkbar positiven Gesamteindruck bei.  Und auch wenn sich im hormonellen Bereich der Schlümpfe immer noch nicht allzu viel tut: Man darf hoffen, ein Anfang ist ja jetzt gemacht.

Smurfs: The Lost Village (OT) USA 2017, 89 Min., R: Kelly Asbury, Stimmen OF: Demi Lovato, Mandy Patinkin, Jake Johnson, Julia Roberts. Start: 6.4.

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