Dialogdrama

„Die schönen Tage von Aranjuez“ im Kino

Wim Wenders und Peter Handke: „Die schönen Tage von Aranjuez“

Foto: Alfama
Foto: Alfama

Ein Mann und eine Frau stellen sich auf einer Terrasse im Garten Fragen: Sie redet über Sexualität und Fragen weiblicher Identität, er doziert verklausuliert über das Verlangen. Wim Wenders hat das Bühnenstück seines Freundes ­Peter Handke verfilmt, das der ­Autor seiner Lebensgefährtin widmete, der französischen Schauspielerin Sophie Semin, die hier die Hauptrolle spielt. Hinzuerfunden hat Wenders die Figur eines Schriftstellers, der sich jene Gespräche ausdenkt, die die Figuren anschließend führen – ein Alter Ego des Regisseurs, das die Dialogsituation aufbricht.
Bei Theaterverfilmungen stellt sich die Frage, ob man die Einheit von Raum und Zeit respektieren soll, oder ob man das Stück „lüftet“. Wenders entscheidet sich für einen Mittelweg, denn in den Dialogszenen bleibt Handkes Text gewahrt: Sanft umkreist die 3D-Kamera die Figuren, das satte Grün des Gartens spiegelt das pralle Leben des Dialogs wider. Am Ende wird jeder Zuschauer für sich entscheiden müssen, ob er mit der Unbestimmtheit von Handkes Stück etwas anfangen kann, das hier in einer optisch attraktiven Inszenierung geboten wird, die aber nicht den letzten hypnotischen Sog erzeugt.

Les beaux jours d’Aranjuez (OT) F/D/P 2016, 97 Min., R: Wim Wenders, D: Sophie Semin, Reda Kateb, Jens Harzer, Start: 26.1.

Bewertungspunkte3

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