Historiendrama 

„Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ im Kino

Karim Aïnouz, der 2002 mit „Madame Sata“ debütierte, hat zuletzt den Dokumentarfilm „Zentralflughafen THX“ gemacht, nun kehrt er zum Spielfilm zurück und in seine Heimat ­Brasilien

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao, Foto: PEDRO MACHADO

Eurídice und Guida sind zwei Schwestern in einer brasilianischen ­Familie in den 1950er-Jahren. Sie sind durchaus unterschiedlich, fühlen sich aber eng miteinander verbunden. Guida brennt mit einem griechischen Seemann durch, und als sie bald darauf mit einem Kind im Bauch wieder da ist, ­verstößt der strenge Vater sie – und lässt sie auch in dem Glauben, Eurídice wäre längst in Wien, um am Konservatorium ihren großen Traum zu verwirklichen. Sie will Klavier ­spielen.

Dabei hat sich auch Eurídices Leben ­deutlich anders entwickelt, als sie es sich vorgestellt hat: Sie hat sich in eine pragmatische Ehe gefügt, bald zieht auch noch der Vater bei ihnen ein. Und so leben die beiden Schwestern in zwei unterschiedlichen Vierteln, aber de facto nicht so weit voneinander entfernt in Rio de Janeiro – und sind doch durch Welten getrennt.

Karim Aïnouz, der 2002 mit „Madame Sata“ debütierte, hat zuletzt den Dokumentarfilm „Zentralflughafen THX“ gemacht, in dem er seine Sicht auf die „Flüchtlingskrise“ im Auffanglager Tempelhof darlegte. Nun kehrt er zum Spielfilm zurück und in seine Heimat ­Brasilien. „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ beruht auf einem Roman von Martha Batalha (bei Suhrkamp auf Deutsch), an dem Aïnouz aber entscheidende Änderungen vorgenommen hat. Die sind alle zum Vorteil des Films: Mit zwei starken Hauptdarstellerinnen erzählt Aïnouz ein episches Melodram, das durch Stilisierungen (etwa eine konsequente Farbdramaturgie) und viel ­Emotionalität überzeugt.

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão BRA/D 2019, 139 Min., R: Karim Aïnouz, D: Carol Duarte, Fernanda Montenegro, Julia Stockler, Gregório Duvivier, Start: 26.12. 3325

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