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„Die Stille der Unschuld“ im Kino

Das malträtierte Kind, so der Kunsthistoriker Peter Gorsen, sei eine originäre Bilderfindung des österreichischen Malers Gottfried Helnwein. Dessen Werke sind beunruhigend, auch wenn die Kindergesichter darauf ruhig und nicht mit Blut verschmiert, nicht verletzt, nicht bandagiert sind. Sich den Gefühlen zu stellen, die diese hyperrealistischen Gemälde auslösen, ist nicht einfach. Helnwein dabei zuzusehen, wie er die fotografischen Vorlagen für sie herstellt, breitbeinig über einem auf dem Boden
liegenden Mädchen stehend, auch nicht.
Und doch wird man in Claudia Schmids wohltuend gelassenem Künstlerporträt „Die Stille der Unschuld“ den Eindruck nicht los, es mit einem Mann zu tun zu haben, der beharrlich auf die Gewaltsamkeit des menschlichen Daseins hinweist, weil dieser Aspekt ihn tatsächlich zutiefst beunruhigt. Ein Künstler, der sich seiner sicher ist und der sich zu verteidigen weiß, der wilde Geschichten in geruhsam wienerischem Pathos erzählt, zu denen Schmid Aufnahmen endlosen Minimalgepinsels, unterbrochen vom denkerischen Schluck aus dem Kaffeebecher gesellt. Ein Film mit Sogwirkung oder Abstoßungseffekt. Wie die Bilder.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Stille der Unschuld“ im Kino in Berlin

Die Stille der Unschuld – Der Künstler Gottfried Helnwein; Deutschland 2009; Regie: Claudia Schmid; 116 Minuten

Kinostart: 17. Juni

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