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Die Teddyrolle bei der Berlinale 2015

San Cristуbal

Wer hätte damit gerechnet? Die erste Einstellung des Abends zeigt sehr expliziten Hetero-Sex, im Film „Bad at Dancing“. Bis sich Joanna dazugesellt. Eigentlich Isabels beste Freundin, wird sie für deren Beziehung mit Matt immer wieder zum Störfaktor. Nicht nur weil sie grottenschlecht tanzt.
Der beste Film der Teddyrolle ist der leider bei den Awards leer ausgegangene „The Mad Half Hour“ aus Argentinien. Wahrscheinlich war er der Jury zu skurril. Juan verliert aus heiterem Himmel die Passion für Tennis und reagiert mitten im Match nicht mehr auf die Bälle seines Partners Pedro. Der kennt Juan aber nur zu gut und weiß, dass die beiden in die Nacht ausbrechen müssen, wo es Katzen mit drei Augen gibt.
Die emotional packende Kurz-Doku „Kumu Hina“ begleitet das 11-jährige Mädchen Ho’onani auf Hawaii, das die Geschlechterrollen an ihrer Schule gehörig in Frage stellt. Denn sie will bei der großen Tanztheater-Aufführung die Jungen-Gruppe anführen. Und sie hat auch die Power dazu. Unterstützt wird sie von ihrer einfühlsamen Lehrerin, die selbst einst ein Mann war und um das traditionsreiche Verständnis für Queerness in der hawaiianischen Kultur weiß.
Die Teddy-Jury hat mit der Prämierung von „San Cristуbal“ (Szenenbild) am Freitagabend in der Komischen Oper zwar eine erwartbare Entscheidung getroffen, aber damit auch nichts falsch gemacht: Beklemmend und befreiend zeigt der Film aus Chile, wie ein Fischerdorf eben doch zu eng und zu engstirnig bleibt für die Liebe der jungen Männer Lucas und Antonio, deren Verliebtheit ein Zauber innewohnt, wie man ihn selten im queeren Kurzfilm fotografiert hat.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

Termine: Berlinale 2015 Teddyrolle

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