Dokumentarfilm

„Die Temperatur des Willens“ im Kino

Für seinen Abschlussfilm an der HFF München hat sich Peter Baranowski kein leichtes Sujet gewählt. In „Die Temperatur des Willens“ dokumentiert er die Arbeit, nein, eigentlich Berufung seines älteren Bruders Martin, eines geweihten Priesters der ­„Legionäre Christi“

Eksystent

Dabei handelt es sich um eine erzkonservative katholische Ordensgemeinschaft, gegründet 1941 in Mexiko von Marcial Maciel. ­Genau, jener Maciel, der nach langjährigen Vertuschungs- und Verdrängungsversuchen wegen zahlloser Missbrauchsfälle und Verstoßes gegen das Zölibat 2006 von Papst Benedikt XVI unehrenhaft aus dem aktiven Kirchendienst entlassen wurde – und der 2008 starb, ohne jemals Reue gezeigt zu haben.

In einer die Untersuchungen abschließenden ­Erklärung des Vatikans heißt es 2010, Maciel habe „ein skrupelloses Leben ohne echten religiösen Sinn“ geführt. Harter Toback für die von missionarischem Eifer beseelten Glaubensbrüder und -schwestern, denen die Ehe heilig, Homosexualität des Teufels, Abtreibung eine Todsünde und der Schmerzensmann am Kreuz das Vorbild in allen Lebenslagen ist. Wie also gehen sie mit dem fetten schwarzen Fleck auf dem Ordensgewand um?

Dank seiner Verwandtschaft darf der Filmemacher nahezu überall dabei sein und fast alles aufzeichnen. Er dankt das Vertrauen, indem er auf Kommentar verzichtet. Das ist auf der einen Seite so klug wie es auf der anderen Seite herausfordernd ist. Muss nun doch jede/r für sich nach einer Haltung suchen zum neutral präsentierten, seltsamen Treiben der Hardcore-Christen.
Während die Absolutheit ihrer Überzeugungen Respekt gebietet, beunruhigt zugleich der zugrundeliegende Fanatismus. Es ist eine unbequeme Auseinandersetzung, die Baranowskis Film einem aufzwingt, doch in Zeiten ausufernd uferloser ­Religionskriege auch eine bitter nötige.

Die Temperatur des Willens D 2017, 104 Min., R: Peter ­Baranowski, Start: 22.3.

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