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„Die Trapp-Familie – Ein Leben für die Musik“ im Kino

Die Trapp-Familie - Ein Leben für die Musik

Das riecht nach mächtig viel Kitsch, und man muss schon eine genaue Vorstellung davon haben, was man eigentlich erzählen möchte – und vor allem wie -, wenn ein Film den Anspruch erhebt, mehr zu sein als lediglich seichte Unterhaltung. Der Megafilmhit „The Sound of Music“, der die im Kern wahre Geschichte der Trapp-Familie bereits in den 1960er-Jahren erzählte, schaffte das mit der dem Musical eigenen Stilisierung: singende Kindermädchen sind in diesem Genre keine Überraschung, sondern Teil der Erwartungshaltung.
Der aktuelle Film „Die Trapp-Familie – Ein Leben für die Musik“ kann da in keiner Weise mithalten. Die Geschichte beruht auf den Erinnerungen der ältesten Trapp-Tochter Agathe und konzentriert sich auf deren inniges Verhältnis zum Vater nach dem frühen Tod der Mutter, eine Konstruktion, die in dieser Form alle übrigen Personen zu gesichtslosen Nebenfiguren degradiert, die auftretenden Konflikte bis zur Verleugnung verharmlost und selbst die Musik zur Randerscheinung werden lässt. Nationalsozialisten gibt es in der Story auch – schließlich muss die Familie ja in die USA emigrieren -, doch glücklicherweise kann man deren Nazi-sein schon an der Physiognomie ablesen. Da reicht es dann immer noch, wenn die Familie mit rasch gepacktem Köfferchen das Herrenhaus im Gänsemarsch hinten heraus verlässt, während die Nazis vorne rein marschieren. Das ist vielleicht auch eine Art der Stilisierung, aber wohl nur eine ungewollte und lediglich unfreiwillig komische. Dass der Niederländer Ben Verbong („Das Sams“) den Film mit britischen Hauptdarstellern in englischer Sprache gedreht hat, lässt vermuten, dass man in dem Stoff ein internationales Potenzial sah, das sich mit diesem Film für das Kino kaum einlösen lässt. Das Rosamunde-Pilcher-TV-Publikum hingegen wird sich der „Trapp-Familie“ dankbar annehmen.

Text: Lars Penning

Foto: 2015 Concorde Filmverleih / Jan Betke

Orte und Zeiten: „Die Trapp-Familie – Ein Leben für die Musik“ im Kino in Berlin

Die Trapp-Familie – Ein Leben für die Musik (The Trapp Family – A Life of Music), Deutschland/Österreich 2015; Regie: Ben Verbong; Darsteller: Rosemary Harris (Agathe von Trapp), Matthew Macfadyen (Georg von Trapp), Eliza Bennett (Agathe, jung); 95 Minuten

Kinostart: Do, 12. November 2015

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