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Die Tribute von Panem: Hollywood-Kino made in Berlin

Francis Lawrence in Tempelhof

Es sei schon wie eine Art Heimkehr, sagt Regisseur Francis Lawrence, als er am Tag vor der Weltpremiere von „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ noch einmal an die Drehorte zurückkehrt, an denen der dritte und vor allem der vierte Teil der Hungergames-Saga gedreht wurden. „Die ersten beiden Teile haben wir hauptsächlich in Atlanta und Umgebung in den USA gedreht.“, erklärt der Regisseur. „Doch gerade für den letzten Teil, in dem das Capitol (die Hauptstadt Panems, Anm. der Redaktion) eine zentrale Rolle spielt, haben wir nach einer monumentalen Architektur gesucht, die man in den USA nicht findet.“
Also habe man Scouts überall nach Europa geschickt und sei schließlich an verschiedenen Orten in und um die deutsche Hauptstadt, sowie vor den Toren von Paris fündig geworden. Während man die Szenen rund um den Palast von Präsident Snow also in Frankreich drehte, dienten die Locations in Berlin sowohl als Kulisse für die Rebellenbasis vor dem großen Sturm auf die Hauptstadt Capitol, als auch als Hauptstadt selbst.
Francis Lawrence, Nina Jacobson, Jon Kilik„Die Entscheidung, Berlin zum Drehort zu machen, ist aus rein kreativen Gründen gefallen. Wir haben hier die Gegebenheiten gefunden, die wir gesucht haben.“, meinte Produzent Jon Kilik, der beim Rundgang über die Drehorte ebenfalls mit dabei ist.
„Wenn man so will“, führt Regisseur Lawrence dann weiter aus, „hat die Hauptstadt von Panem schon viel von dem, was den Nazis bei den Plänen ihrer Hauptstadt Germania vorschwebte. Größenwahn schlägt sich ja nicht selten in der Architektur der Herrscher nieder. Das wollten wir auch bei Präsident Snow so zeigen.“
An die Dreharbeiten in Berlin hat der Regisseur überwiegend gute Erinnerungen. Neben einer alten, verlassenen Fabrik in Rüdersdorf und einem ehemaligen russischen Militärgelände in Krampnitz vor den Toren der Hauptstadt, wurde auch mitten im Stadtgebiet gedreht, u.a. am ICC in Charlottenburg. Als wir auf unserer Tour durch die Stadt das alte Kraftwerk in der Köpenicker Straße verlassen, in dessen oberstem Stockwerk mehrere Tage gedreht wurde, gerät Lawrence an der Ecke zur Heinrich-Heine-Straße ins Schwärmen. Direkt neben dem Eingang zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße liegt ein kleiner Döner-Imbiss. „Hier haben wir uns immer mit Döner versorgt, in den Drehpausen. Berliner Döner sind definitiv die besten der Welt. So etwas kriegt man bei uns in den USA gar nicht.“
Francis Lawrence in Berlin-TempelhofAuch zum Dreh am Flughafen Tempelhof fällt dem Regisseur spontan eine Anekdote ein: „Wir haben vor dem Flughafen mit jeder Menge echt aussehender Styroporsteine und Felsen ja für ordentlich Durcheinander gesorgt. Was wir nicht wussten: Am Tag nach unserem Dreh fand diese Abstimmung in Berlin statt, was mit dem Flughafengelände in Zukunft passieren soll. Wie wir hinterher erfahren haben, haben sich dann tatsächlich Leute bei der Polizei beschwert, dass am Flughafen schon mit den Abrissarbeiten begonnen wurde, obwohl die Abstimmung doch noch ausstünde.“   
Als wir später in den Flughafen hineingehen und Lawrence vor dem Tunnel steht, an dem die Revolution der Rebellen im vierten Teil den entscheidenden Schub bekommt, erzählt der Regisseur von dem Abend, an dem Woody Harrelsen zu spät zum Dreh kommt. „Der Grund war ganz einfach.“, lacht der Regisseur. „Schräg gegenüber in der Columbiahalle gab es an dem Abend ein Konzert von Lorde, die ja auch einen Titel für den Soundtrack vom ersten Mockingjay-Film beisteuert. Wir wussten davon gar nicht, aber Woody ist seit Jahren ein großer Fan und kannte Lorde auch damals schon persönlich. Und so stellte sich heraus, dass er an dem Abend zuerst drüben beim Konzert war, ehe er hier beim Dreh auftauchte. Damals war ich ziemlich sauer.“ Dann winkt der Regisseur jedoch ab. „Ist heute aber vergessen. Als wir davon erfuhren, haben wir Lorde ans Set eingeladen und nachdem ich sie dann kennengelernt hatte, konnte ich Woody nicht mehr böse sein.“

Text und Fotos: Martin Zeising

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Lesen Sie hier die Filmkritik: „Die Tribute von Panem – Mockingjay (Part 2)“ im Kino in Berlin

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