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„Die Tribute von Panem: Mockingjay 1“ im Kino

Die Tribute von Panem - Mockingjay 1

Die Bilder sind vertraut – nicht aus anderen Filmen, sondern aus den Nachrichtensendungen des Fernsehens: Gefangene, die mit einer über den Kopf gezogenen Kapuze vor zusammengetriebenen Volksmassen auf einem Podest knien müssen und dann von vermummten Soldaten durch einen Genickschuss hingerichtet werden; ein Präsident, der angesichts des Aufstands seines Volkes nicht abdanken will und stattdessen ein Hospital bombardieren lässt; oder eine Search-&-Rescue-Undercovermission im Feindesland, von der Rebellenpräsidentin und ihrem Stab auf Monitoren verfolgt.
In den ersten beiden Teilen der Filmreihe „Die Tribute von Panem“ dominierte die direkte und persönliche Gewaltausübung, der Kampf ums Überleben in den alljährlichen Hunger Games, zu denen die jugendlichen Protagonisten gezwungen wurden von einer autoritären Klassengesellschaft. Der dritte und vorletzte Film nun vollzieht den Schritt zum größeren Bild, zur Auseinandersetzung zwischen dem angeschlagenen Präsidenten Snow und den Rebellen um Präsidentin Coin, denen sich mittlerweile immer mehr Mitarbeiter des Präsidenten angeschlossen haben.
Die Tribute von Panem - Mockingjay 1So entwickelt sich die Geschichte auch ein Stück weit weg von der Protagonistin Katniss Everdeen, in deren Rolle Jennifer Lawrence einmal mehr ihr großes Charisma zeigt.
Es sind düstere Bilder, mit denen dieser Film beginnt, nahezu das gesamte erste Drittel spielt in den spärlich ausgeleuchteten unterirdischen Quartieren der Rebellen. Das Erste, was Katniss sieht, als sie nach draußen kommt, sind zerbombte Häuser und Skelette in den Trümmern. Aber da Katniss mit ihrem Pfeilschuss gegen das Capitol zum Auslöser der Rebellion wurde, wissen Präsidentin Coin und vor allem ihr Berater Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rolle) um die notwendige Konsequenz, dass sie das Gesicht der Revolution wird.
Die militärischen Auseinandersetzungen mögen noch mit Bombenflugzeugen geführt werden, aber die Bedeutung der medialen Mobilmachung ist allen bewusst. Große Sorgfalt wird auf die Erstellung von kleinen Propagandaclips verwendet, mit denen Katniss die Massen mobilisieren soll. Spiegelbildlich wird auf der Gegenseite Katniss’ bester Freund Peeta in den Fängen des Capitols nach einer Gehirnwäsche zu dessen Sprachrohr. Aber ist Präsidentin Coin wirklich eine Präsidentin des Volkes, sind die Menschen an ihrer Seite nicht nur opportunistische Wendehälse?
„Mockingjay“ ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein Film für ein jugendliches Zielpublikum die gesellschaftliche Wirklichkeit der Gegenwart verarbeiten kann.

Text: Frank Arnold

Fotos: Studiocanal GmbH / Murray Close

Orte und Zeiten: „Die Tribute von Panem – Mockingjay 1“ im Kino in Berlin

Die Tribute von Panem – Mockingjay 1 (Hunger Games: Mockingjay (Part 1)), USA 2014; Regie: Francis Lawrence; Darsteller: Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen), Josh Hutcherson (Peeta Mellark), Liam Hemsworth (Gale Hawthorne); 123 Min.

Kinostart: Do, 20. November 2014

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