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Tragikomödie

„Die Überglücklichen“ porträtiert zwei ungewöhnliche Frauen

Der Name klingt wie ein Lied: Maria Beatrice ­Morandini Valdirana. Ihr Auftreten: mondän, überheblich, stöckelschuhmäßig. Ihr Problem: Beatrice sitzt in der psychiatrischen Klinik Villa Biondi ein. Doch was genau kann man glauben von ihrem endlosen Redeschwall, in dem sie sich als stinkreiches Mitglied der Oberschicht ausgibt? Zudem hat die Dame eine stattliche Anzahl an Vorstrafen angesammelt.
Eines Tages wird Donatella Morelli eingeliefert, das genaue Gegenbild Beatrices: schweigsam, zurückhaltend, verletzlich. Beatrice kümmert sich sofort wie eine ununterbrochen gackernde Glucke um sie. Doch der Kontakt scheint beiden Frauen gut zu tun scheint, also lässt man sie außerhalb der Villa gemeinsam arbeiten. Keine so gute Idee: Eher aus Versehen macht sich Beatrice mit Donatella im Schlepptau auf und davon. Denn einen Wunsch will Beatrice ihrer Begleiterin auf jeden Fall erfüllen: Sie soll nach etlichen Jahren endlich wieder ihren kleinen Sohn sehen.

Die Überglücklichen
Foto: Neue Visionen, Paolo Ciriello

Nachdem man sich an den Redeschwall ohne Punkt und Komma von Valeria Bruni Tedeschi ­gewöhnt hat, findet man zunehmend Gefallen an diesem Mix aus Frauenporträt und Roadmovie. Denn Regisseur Paolo Virzì („Die süße Gier“) ­gelingt es, hinter der Hysterie das empfindsame ­Porträt zweier Frauen zu zeichnen, die an der Realität gescheitert sind und nicht so funktionieren, wie es von ihnen erwartet wird. Die aber auch wissen, dass sie ohne Hilfe kaum überleben werden. Eine Ode an die Individualität – und der Verrücktheit, die uns allen innewohnt.

La pazza gioia (OT) I/F 2016, 116 Min., R: Paolo Virzì, D: Valeria Bruni Tedeschi, Micaela Ramazzotti, Valentina Carnelutti, Start: 29.12.

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