Dokufiktion

„Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ im Kino

Authentisch und ­unmittelbar – Juden im Nazi-Berlin: „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“Foto: Tobis Film

Ab 1941 beginnen die Deportationen aus ­Berlin in die Vernichtungslager im Osten. 1943 wird die Reichshauptstadt als „judenfrei“ ­erklärt. Dennoch widersetzten sich allein in Berlin 7.000 Juden dem Abtransport und tauchten in der Großstadt unter.
Claus Räfle, eigentlich Dokumentarfilmer, schildert hier die Geschichten von vier jungen Menschen, die damals „geflitzt“ sind, Geschichten, von ­denen jede einzelne spannend und dramatisch genug ist. Dabei hat Räfle sich für die Hybridform der Dokufiktion, also die heikle Mischung aus (schon vor einigen Jahren geführten) Interviews und Spielfilm­szenen entschieden. Das funktioniert erstaunlich gut, sogar die wenigen Originalaufnahmen aus dem Berlin der Kriegsjahre tragen zur Authentizität und Unmittelbarkeit bei.
Die schier unglaublichen Erlebnisse von Hanni, Ruth, Cioma und Eugen, die sich in Kellern, Werkstätten, bei Freunden oder bei fremden Helfern verstecken, anderen Untergetauchten helfen oder gar im Widerstand aktiv sind, gehen direkt unter die Haut. Das illegale Leben in einem brutalen Überwachungsstaat wird – von einigen etwas hölzernen Sprechrollen abgesehen – unmittelbar nachfühlbar. Dass der Film auch von den mutigen und selbst­losen Mitbürgern erzählt, die den Bedrängten als Helfer in der Not beistanden, verleiht dem schrecklichen Geschehen einen Hauch von Versöhnlichkeit. 1.700 untergetauchte Juden haben in Berlin überlebt.

Die Unsichtbaren – Wir wollen leben D 2017, 110 Min., R: Claus Räfle, D: Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Start: 26.10.

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