Drama

„Die Verführten“ im Kino

Sofia Coppola verfilmt Thomas Cullians Roman „The Beguilded“ in dem ein Soldat währed des amerikanischen Bürgerkriegs in einem Mädchenseminar Unterschlupf findet und dort zum Objekt der Begierde wird

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Auf den ersten Blick scheint es kaum zwei so unterschiedliche Filmemacher zu geben wie den Thrillerspezialisten Don Siegel und Sofia Coppola, die Regisseurin der ritualisierten Langeweile. Und doch haben sie beide recht getreu den selben Roman verfilmt: „The Beguiled“ von Thomas Cullinan, in dem ein verwundeter Nordstaaten-Soldat während des amerikanischen Bürgerkriegs in einem Mädchenseminar in den Südstaaten Unterschlupf findet und dort zum Objekt der Begierde wird.

Auch Don Siegel hat aus dieser Geschichte keinen Actionfilm gemacht, doch bereits die erste Sequenz, in der der von Clint Eastwood verkörperte Soldat das Mädchen küsst, das ihn findet, damit sie ihn nicht verrät, verdeutlicht den Unterschied: Bei Siegel ist die Korrumpierung der Unschuld von Anfang an präsent. Coppola hingegen schwelgt geradezu in der mädchenhaften Unschuld, mit Bildern von blonden Frauen mit weißen Kleidern in weichem Sommerlicht. Die Veränderungen vollziehen sich nur subtil und werden von der imposanten Schauspielerinnenriege Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning getragen: hier ein scheuer Blick, dort ein wenig verstärkte Transpiration und ein gestohlener Kuss. Coppola inszeniert dies nicht als den Verlust von Unschuld, sondern – ähnlich wie in ihrem ersten Spielfilm „The Virgin Suicides“ (1999) – als ein Aufblühen von Weiblichkeit. Als Soldat ist Colin Farrell ein völlig anderer Typ als Eastwood. In seiner Mischung aus Männlichkeit, Selbstmitleid und Selbstüberschätzung ist das Scheitern programmiert: Dass die Frauen hier die Oberhand behalten, wen wundert‘s?

The Beguiled (OT) USA 2017, 94 Min., R: Sofia Coppola, D: Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Start: 29.6.

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