Dokumentarfilm

„Die vergessene Armee“ im Kino

Als die DDR 1990 der Bundes­republik Deutschland beitrat, standen Zehntausende Soldaten der Nationalen Volksarmee und der DDR-Grenztruppen auf der Straße. Wie blicken sie heute auf ihre Zeit als DDR-Soldaten?

Foto: Salzgeber

Vielen Protagonisten, die hier vor die Kamera treten, fehlt die Fähigkeit zur differenzierten Betrachtung weitgehend. Die DDR war toll, die Wiedervereinigung eine „Kapitulation“ und die Kameradschaft der Truppe unvergleichlich. Wer etwas anderes sagt, betreibt Propaganda. Und wenn die Gestalten eines NVA-Traditionsvereins dann zu ­einem Jahrestag der NVA-Gründung strammstehen, glaubt man sich auf einem Treffen von Kabarettisten. Auch wenn Regis­seurin Signe Astrup, die wiederholt klarmacht, dass nicht nur sie diese Ansichten nicht teilt, hier niemanden diffamiert.
Gehen da also nur ein paar Typen einem harmlosen Hobby nach, oder ist das auch gesellschaftlich relevant? Natürlich stehen diese Ex-Soldaten lediglich als ein Beispiel für jenen Teil der DDR-Bevölkerung, der mit dem Wegfall von Staat, Beruf und Idealen das ­Gefühl vermittelt bekam, umsonst gelebt zu haben. Klar wird: Die Demütigung sitzt tief und ist nicht bloß der Quell einer verfehlten Nostalgie.

Die vergessene Armee D 2017, 89 Min., R: Signe Astrup, Start: 8.6.

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