Ehezwist-Komödie

„Die Wunderübung“ im Kino

Screwball-Kammerspiel: Und zum Glück für ein Ehepaar gibt es da noch „Die Wunderübung“

Foto: Allegro Film/Wolfgang Thaler

Schon auf dem Weg zur ersten Therapiesitzung vertieft sich der Graben zwischen den Eheleuten Joana (Aglaia Szyszkowitz, Foto, re.) und Valentin Dorek (Devid Striesow, li.). Im Wiener Straßentrubel eilt sie voraus, er trottet hinter ihr her. Oben in der Altbau-Praxis begrüßt sie ein gemütlich-kauziger Therapeut (Erwin Steinhauer).

Leicht lassen sich die dicken Sedimente aus Konflikten, Entfremdungen und Kränkungen des Ehepaares Dorek nicht aufbrechen. Kaum vorstellbar, dass die beiden sich vor 17 Jahren in der Stille unter Wasser, bei einem Tauchurlaub in Ägypten ineinander verliebten. Der Therapeut diagnostiziert nun eine „Kampfbeziehung“. Seine üblichen Standardmethoden – Fantasiereisen, Rollentausch, Bewegungsübungen, das Spiel mit Kasperlepuppen – versagen vollständig. Bis eine Nachricht auf dem Handy einen radikalen Wet terumschwung auslöst.

Bis in die feinsten Gesten und kleinsten Atempausen verfolgt die Kamera die drei Personen, setzt sie überlebensgroß in ein berührendes Kammerspiel, das zugleich komische Versuchsanordnung und knallhartes Duell ist. In den modernen Wortgefechten leben Komödienklassiker aus Katherine Hepburns Zeiten auf. Regisseur Michael Kreihsl, der das gleichnamige Theaterstück von Daniel Glattauer bereits vor drei Jahren auf der Bühne der Wiener Kammerspiele uraufführte, bringt die Leinwand zum Knistern. Sein großes Schauspielerkino spricht nicht nur streiterprobte Paare an.

Die Wunderübung A 2018, 92 Min., R: Michael Kreihsl, D: Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer, Start: 28.6.

 

 

Mehr über Cookies erfahren