Drama

„Die Zeit der Frauen“ im Kino

Gegen das Patriarchat: „Die Zeit der Frauen“ ist in Indien gekommen

Foto: MFA

Der Originaltitel „Parched“ bedeutet „ausgetrocknet“ und bezeichnet sowohl den Schauplatz der Handlung in der Einöde des nordwestindischen Bundesstaates Rajasthan – wie auch die verkümmerte Sexualität und den Liebesdurst dreier Frauen.
Sie führen ein armseliges Dasein in einer patriarchalischen Dorfgemeinschaft. Die Witwe Rani verhält sich den Sitten gemäß, nach denen Frauen den Männern untertan sind. So lässt sie ihren verdorbenen Sohn Gulab gewähren, wenn er seine 15-jährige Braut brutal entjungfert und das wenige Geld verprasst. Ranis Freundin Lajjo wird von ihrem alkoholsüchtigen Mann verprügelt und erträgt die Misshandlungen gefügig. Eine andere Frau rebelliert, wird aber zurück ins Haus ihres untreuen Ehegatten gebracht, obwohl sie dort von anderen männlichen Familienmitgliedern vergewaltigt wurde. Ausgerechnet der Einfluss der Prostituierten Bijli bewirkt, dass Rani und Lajjo beginnen, familiäre Fesseln abzustreifen.
Bisweilen drastisch, aber ohne zu polemisieren, werden die meisten Männer in diesem Sozialdrama als sexgeile Machos dargestellt, ohne dass ihre Charaktere karikierend überzeichnet sind – was ihr Verhalten um so verabscheuungswürdiger wirken lässt. Doch trotz der harten Milieuschilderung wirkt der Film nicht deprimierend. Die Dramaturgie entspricht dem Muster Bollywoods, ist aber nicht eskapistisch. Die Kamera von Russell Carpenter (Oscar für ­„Titanic“) besticht durch Brillanz und Detailreichtum. Ein kraftvolles, sozialkritisches Drama, gesellschaftlich relevant, emotional eindringlich und dabei anspruchsvoll unterhaltend.

Parched (OT) IND 2015, 116. Min.; R: Leena Yadav; D: Thannishtha Chatterjee, Radhika Apte, Surween Chawla. Start: 27.10.

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