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„Die zwei Gesichter des Januars“ -Star Oscar Isaac im Interview

Sie stammen aus Guatemala, Ihr Vater ist Kubaner – überrascht es Sie, kaum in Latino-Rollen besetzt zu werden?
In jungen Jahren sah ich oft Raъl Juliб am Broadway und nahm mir zum Vorbild, dass er jede Nationalität spielen konnte, ohne dass es überhaupt zur Debatte stand. Dem Klischee des Latin Lover zum Beispiel könnte ich vor der Kamera nicht entsprechen, aber ich glaube auch, dass die Zeit der Stereotype vorbeigeht. Amerika ist eine so gemischte Gesellschaft mit so vielen Figuren für schillernde Filme, da war mir nie bange, in einer sogenannten Latino-Ecke zu landen. Spätestens als Ridley Scott kein Problem damit hatte, mich in „Robin Hood“ als König der Engländer zu sehen, war ich sicher: Was gut genug für Ridley ist, ist auch gut genug für mich.

Die Produzentin von „Die zwei Gesichter des Januars“ vergleicht Ihre sensible Intensität vor der Kamera mit der Arbeit des jungen Al Pacino. Ein Vorbild?
Jeder Schauspieler, der seine sieben Sinne beisammen hat, muss Pacino studieren! Eines vieler Vorbilder gewiss. Ich liebe es, mit der Stille zu arbeiten und mit den Augen zu kommunizieren, und da sind die Filme der Siebziger eine reiche Inspirationsquelle, als noch weniger Dialog geschrieben wurde. Viele Filme trauen der Stille nicht mehr, ständig muss sich etwas bewegen und alles erklärt werden. Vielleicht bin ich da verwöhnt vom Theater, doch ich finde, erinnerungswürdige Figuren brauchen Ruhe zum Atmen wie guter Wein.

Wie verträgt sich das mit Ihrem Hang zum Science-Fiction-Genre? Neben „Star Wars“ sind Sie demnächst auch in „Ex Machina“ zu sehen, dem Regiedebüt von Alex Garland.
Er ist ebenfalls ein großer Autor mit dem Auge für Figuren unter Druck. „Ex Machina“ wird ein cooler, düsterer Garland-Trip, ein erotischer Science-Fiction-Thriller irgendwie, aber eigentlich undefinierbar. Und das ist auch das verbindende Element aller Parts, die mich anziehen: wenn ich die Figur in drei Sätzen nicht erklären kann. Ich weiß nicht, ob ich deshalb auch mehr mit Regisseuren arbeite, die zugleich Drehbücher schreiben. Offenheit für Interpretationsspielraum erlebe ich überall. Ich denke, wer mich heuert, der weiß nach dem ersten Meeting, dass ich nur vor der Kamera lieber still bin – aber in den Pausen unentwegt über Szenen reden muss, bis die Regisseure flüchten (lacht).

Weiterlesen: Filmkritik und Trailer zu „Die zwei Gesichter des Januars“  

Interview: Roland Huschke

Foto: Andrew Linnett / STUDIOCANAL 2014

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