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„Dieses schöne Scheißleben“ im Kino

Dieses schöne Scheißleben

Die Musik der vielköpfigen mexikanischen Mariachi-Kapellen ist zugleich touristisches Kunstprodukt und kulturelles Erbe. Ihre Lieder sind romantisch und kämpferisch, besingen Heimat, Liebe und Tod und was „dieses schöne Scheißleben“ noch zu bieten hat. Der populäre Song gleichen Namens ist auch der Titel eines neuen Dokumentarfilms von Doris Dörrie. Gegen das Klischee der schnauzbärtigen Machos mit ihren engen Hosen und wagenradgroßen Hüten schildert sie den Alltag der wenigen professionellen Musikerinnen, die allabendlich auf der berühmten Plaza-Garibaldi in Mexiko-Stadt um die Aufmerksamkeit zahlender Gäste buhlen. Der Film ist befeuert von der Begeisterung der Regisseurin für die Protagonistinnen und ihren Kampf um künstlerische Selbstbehauptung.
Gespräche mit den Mitgliedern der ersten Frauencombo aus den 1950ern, inzwischen weit im Rentenalter, machen deutlich, wie wenig sich letztlich doch bewegt hat. Und was für ein Glück es für jede dieser Frauen war, der Standardbiografie von Ehe und Kindern zumindest an den Rändern Freiräume abtrotzen zu können. Der Film ähnelt in seinem schwungvollen Rhythmus selbst einem der Lieder, arrangiert sich über Motive, Strophen und Refrain und findet seinen dramaturgischen Höhepunkt im Dнa de los Muertos, dem Allerheiligenfest, das in Mexiko als Mischung aus Totengedenken, Familientherapie und Party über mehrere Tage hinweg gefeiert wird. Der Tod ist ein alltäglicher Begleiter in Mexiko: Das zeigt der Film, ohne direkt von der grausamen Aktualität dieses Gemeinplatzes zu erzählen.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Mathias Bothor 2013 / Flying Moon / Senator

Orte und Zeiten: „Dieses schöne Scheißleben“ im Kino in Berlin

Dieses schöne Scheißleben, Deutschland 2014; Regie: Doris Dörrie; 90 Min.

Kinostart: Do, 23. Oktober 2014

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