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„Dinner für Spinner“ im Kino

In der Geschäftswelt kommt es nicht nur darauf an, dass man gute und zukunftsweisende Ideen hat. Man muss manchmal auch bereit sein, die seltsamen Ideen der Kollegen mitzumachen. Der aufstrebende Investmentexperte Tim (Paul Rudd) steht zu Beginn der Komödie „Dinner für Spinner“ kurz vor einem Aufstieg „in den siebenten Stock“, also dorthin, wo die wichtigen Entscheidungen fallen. Er muss davor nur noch eine Art Prüfung bestehen: Er muss zu einem Abendessen bei seinem Chef kommen, zu dem er nicht seine Freundin mitbringen darf. Vielmehr muss er einen Idioten finden, einen arglosen Menschen, der dort dann vorgeführt wird – und wer den lächerlichsten Einfaltspinsel oder den seltsamsten Eigenbrötler mitbringt, der gewinnt erst endgültig den Status eines guten, weil rücksichtslosen Mitarbeiters. Tim ist ein guter Kerl, deswegen hat er anfangs so seine Bedenken. Doch dann läuft ihm auf der Straße der schrullige Barry (Steve Carell) vors Auto, und dieser Versuchung kann Tim nicht widerstehen.
„Dinner für Spinner“ ist das amerikanische Remake einer französischen Komödie gleichen deutschen Titels von Francis Veber, die wiederum auf einem Boulevardstück beruht. Die Theatermechanik sieht man dem Stoff noch an manchen Stellen an, aber was Jay Roach und die Drehbuchautoren David Guion und Michael Handelman aus der Vorlage machen, zeugt von enormer Intelligenz. „Dinner für Spinner“ wird in dieser Bearbeitung zu einer großen Parabel auf das moderne Wirtschaftsleben insgesamt, mit einer schönen Nebenhandlung, in der Tims Freundin Julie (Stefanie Szostak) als Galeristin von dem durchgeknallten Künstler Kieran (großartig: Jemaine Clement) in Versuchung geführt wird. So radikal wird hier das Leben zweier junger Erfolgswilliger durcheinandergewirbelt, dass man an Meisterwerke des großen Preston Sturges denken kann – die neue Hollywood-Komödie ist schon lange auf dem Niveau der klassischen Hollywood-Komödie, und „Dinner für Spinner“ holt aus einer lustigen, aber keineswegs weltbewegenden Vorlage ein Maximum an zeitgemäßer Schärfe heraus.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Merie Weismiller

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Dinner für Spinner“ im Kino in Berlin

Dinner für Spinner (Dinner for Schmucks), USA 2010; Regie: Jay Roach; Darsteller: Steve Carell (Barry Speck), Paul Rudd (Tim Conrad), Jemaine Clement (Kieran Vollard); 114 Minuten

Kinostart: 23. September

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