Drama

„Directions: Geschichten ­einer Nacht“ im Kino

Eine Episode aus dem heutigen Europa: In Sofia steigt ein Mann am Flughafen in ein Taxi. Er kommt aus Wien, und weil er es dort besser hat, macht er aus seinem Ärger über die Verhältnisse in Bulgarien kein Hehl. Die Fahrerin hat allerdings auch eine Geschichte, und wie es sich in dem Film „Directions“ von Stephan Komandarev trifft, haben die Geschichten des Fahrgasts und der Taxilenkerin miteinander zu tun.

Aktis Film

Vor vielen Jahren, noch zu Zeiten des Kommunismus, wurde der Frau nämlich einmal ein Stipendium, für das sie in hohem Maß qualifiziert gewesen wäre, nicht gewährt. Es ging stattdessen an einen jungen Mann, dessen Vater ein hohes Tier in der Kommunistischen Partei war. Dieser junge Mann ist nun reich und lebt in Wien – und steigt bei einem Heimat­besuch in das falsche, und damit ­natürlich in das richtige Taxi.

„Directions“ erzählt von den Verhältnissen im heutigen Bulgarien am Beispiel einer Reihe von Taxifahrten. Tschechows Erzählung „Elend“ diente als Inspiration für einen Film, der im Grunde wie ein Flugblatt funktioniert: Die Kommunikation muss schnell sein, die Botschaft darf nicht zu komplex werden. ­Lange Zeit hatte man aus Bulgarien kaum ­Filme gesehen, inzwischen ist das ärmste EU-Land am Aufholen. Stephan Komandarev verknüpft geschickt eine Reihe von angedeuteten Schicksalen zu einem ­Gesamtbild: Man sieht die Nachtseite einer Gesellschaft, die darum ringt, sich endlich aus undurchsichtigen Strukturen zu befreien.

Posoki (OT) MAZ/BUL/D, 103 Min., R: Stephan Komandarev, D: Vasil Vasilev–Zueka, Ivan Barnev, Assen Blatechki, Start: 10.5.

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